Korsakow

— Martina Leeker, Oktober 2014

Korsakow war ursprünglich nicht als Tool für eine Webdokumentation gedacht. Florian Thalhofer erarbeitete als Abschlussarbeit an der Universität der Künste Berlin im Jahr 2000 mit Director ein Tool, um so genantes nicht-lineares Storytelling auf lokalen Plattformen zu ermöglichen. Erst mit der Entwicklung des Internet und im entstehenden Kontext der Webdokumentationen fand Korsakow seinen Platz in diesem Bereich. Als Medienkünstler setzt Florian Thalhofer mit Korsakow zudem eigene Webdokumentationen um. Korsakow: “is limited to desktop, online, and kiosk display” (melhogan.com), deshalb ist geplant: “to release an HTML5 version, which will be mobile-friendly and possibly offer new features” (melhogan.com).

korsakowKorsakow funktioniert auf der Grundlage einer Datenbank, in die ein- bis zweiminütige Filme eingebunden und nach Schlagwörtern verlinkt werden. Den Vorgang des Verlinkens bezeichnet Thalhofer als “Snuifying“, womit die Herstellung der Kopplung kleinsten narrativen Einheiten (Snu) gemeint ist. Soar beschreibt: “[…] the SNUs in a Korsakow film are not connected together with fixed paths. Rather, they are contextually articulated to one another using two sets of keywords (tags), […]: the ‘in’ keyword(s) describe the SNU itself, while its ‘out’ keyword(s) define what it will look for while it is playing.” (mattsoar.com [PDF]). Die Filme erscheinen geleitet von den Aktionen der Nutzer_innen und den Einstellungen der Produzent_innen aus der Datenbank im Interface des Programms in einer räumlichen Anordnung. Dabei können mehrere Filme gleichzeitig als Still angeboten werden. In einem zentralen Fenster auf der Oberfläche läuft je der aktuell abgespielte Film, der mit einer Timeline versehen sein kann, so dass man einen Einruck von der Dauer eines Beitrages erhält. Die Stills können angeklickt und damit aktiviert werden. Der jeweils aktuelle Film gelangt in den Player und die weitere Auswahl der Filme wird je nach Verschlagwortung neu angeboten. Wird einer ausgewählt, erscheinen neue Stills auf dem Interface.

Korsakow unterscheidet sich von anderen Programmen für Webdokumentationen dadurch, dass es auf einen lokalen Rechner herunter geladen werden muss und keine Filme aus dem Internet direkt einbinden kann (mattsoar.com [PDF]). Der entscheidende Clou von Korsakow stellt sich nun durch ein statistisches Verfahren innerhalb der Programmierung her. Auf diese Weise kann die Wertigkeit eines Filmclips festgelegt und darüber die Häufigkeit seines Auftauchens bestimmt werden. Auf diese Weise wird sich in einem Projekt nie die gleiche Reihefolge der Filme herstellen und die regelwerkgeleitete Datenbank wird zum “Partner” der Assemblage der Filme.

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Kontakthof 2.0

Das Theaterprojekt „Kontakthof 2.0. Living in digital cultures“ wurde für die Verabschiedung des Innovations-Inkubators, Bereich Digitale Medien der Leuphana Universität Lüneburg erarbeitet, ein von 2009 bis 2015 von der EU gefördertes Projekt zur regionalen Entwicklung. Die Aufführung fand am 24.6.2015 im Rahmen der Abschlussveranstaltung des Inkubators an der Universität in einem Seminarsaal statt. Das Stück wurde in einem Seminar mit Studierenden zum Thema „TheorieTheater“ entwickelt. Eine ausführliche Projektdokumentation sowie den dazugehörigen Mitschnitt finden sie auf der Unterseite “Kontakthof 2.0. Embodiment of Remix und TheorieTheater“.