Plattformen und Tools von Webdokumentationen

— Martina Leeker, Oktober 2014

Ausschlagend für die Nutzung und Verbreitung von Webdokumentationen sind technische Entwicklungen in Authoring Systemen und Authoring Tools. Deren Bedienung verlangt keine Programmierkenntnisse, so dass sie auch für Laien handhabbar sind. Mit der Auszeichnungssprache HTML5 (siehe auch hier, seit 2010) wird es möglich, Plattformen derart auszustatten, dass audiovisuelle Materialien aus dem Internet so miteinander verbunden werden können, dass sie punktgenau und in so genannter Echtzeit und mit laufenden Aktualisierungen Filme oder Bilder aus allen verfügbaren Plattformen einbinden können. Plattformen wie Zeega oder 3WDoc und allen voran Mozillas Popcorn ermöglichen es, im Browser online und in so genannter Echtzeit interaktive, kontributive und sich ständig verändernde Dokumentationen zu erstellen.

Es entsteht mithin ein immer größer werdendes Netz der Verfolgbarkeit, je interaktiver und partizipativer eine Plattform oder Site werden. Oder, um Wendy Chun aus einem nicht veröffentlichen Vortrag zu paraphrasieren: Dein nächster Freund ist dein größter Feind, da die Anzahl der Freunde und Nachrichten die Verfolgbarkeit im Web erhöht und stabilisiert. Der Diskurs über die Technik der Webdokumentationen konstituiert sich zudem im Diskurs- und Praxisfeld so genannter freier und offener Software. Zugleich wird die Zugänglichkeit unterlaufen, da die Software zwar kostenlos ist und auf Plattformen mit offenen Quelltexten (open source) läuft, aber nicht frei ist dem Sinne, dass Nutzer_innen in sie eingreifen könnten. Derart wiederholen Webdokumentationen das Geschäftgebaren kommerzieller IT-Firmen (PDF) für die es bezogen auf Kosten und Arbeitskraft effizienter ist, auf offenen Plattformen Software zu entwickeln, diese aber dann zu schließen und zu vermarkten. Zudem kommt es zu einer Banalisierung von Technik und zu einer Gängelung der Nutzer_innen, da ob der einfachen Nutzung zwar jeder mittun kann und dadurch eine Explosion von kreativen Projekten, aber nicht von offenen Infrastrukturen erfolgt. Deshalb das Credo: “An authoring environment for making interactive video. No coding required.” (Siehe hier). Mit Alexander Galloway (PDF) ist mithin darauf aufmerksam zu machen, dass nicht ein Code oder Algorithmus allein den Nutzer_innen Kontrolle auferlegt, sondern diese vor allem durch politische und diskursive Entscheidungen oder ökonomische Interessen erzeugt und stabilisiert wird. Vor diesem Hintergrund wird das Verschließen des Freien in Webdokumentationen, die gleichwohl am Diskurs freier Software und offener Quellcode partizipieren, zur einer strategischen Pointe. Denn mit der leicht bedienbaren Software und den partizipatorischen, kollaborativen und kreativen Ergebnissen wird die Akzeptanz dafür trainiert, dass Technologie geschlossen ist. Softwareentwicklung ist zu einem Verlust des Codes und des Codierens zugunsten des Mashup von feststehenden und nicht einsehbaren Modulen geworden. “Frei” entspricht dem Zustand, nicht zugänglich zu sein. Aus der Community für freie Software wird eine Gemeinschaft kollaborativer und kooperierender Film-Produzierender.

Über uns

Re-thinking methods: Experiments&Interventions als Methode eines kontinuierlichen und diskursanalytischen Überdenkens und Umdenkens von Bedingungen und Perspektiven digitaler Kulturen und ihrer Erforschung. Mehr dazu auf der Seite Über uns...

Das DCRL ist Teil des Centre for Digital Cultures (CDC) an der Leuphana Universität Lüneburg.

Kontakthof 2.0

Das Theaterprojekt „Kontakthof 2.0. Living in digital cultures“ wurde für die Verabschiedung des Innovations-Inkubators, Bereich Digitale Medien der Leuphana Universität Lüneburg erarbeitet, ein von 2009 bis 2015 von der EU gefördertes Projekt zur regionalen Entwicklung. Die Aufführung fand am 24.6.2015 im Rahmen der Abschlussveranstaltung des Inkubators an der Universität in einem Seminarsaal statt. Das Stück wurde in einem Seminar mit Studierenden zum Thema „TheorieTheater“ entwickelt. Eine ausführliche Projektdokumentation sowie den dazugehörigen Mitschnitt finden sie auf der Unterseite “Kontakthof 2.0. Embodiment of Remix und TheorieTheater“.