Der Hype auf Webdokumentationen

— Martina Leeker, Oktober 2014

Webdokumentationen bestehen aus einer Mischung aus Filmmaterial, Interaktions-Interfaces, Webdesign und Gaming. Derzeit besteht ein regelrechter Hype auf die seit 2000 zu datierenden Webdokumentationen. Sie werden als Generator eines postmedialen Zeitalters entworfen, in dem es weder Einzel- noch Massenmedien gäbe, sondern nur noch eine totale mediale Umwelt, in der alles mit allem verbindbar und verbunden und der Mensch wie selbstverständlich integriert sei. Zentral ist im Diskurs der Forschung mithin, dass Webdokumentationen ob ihrer Interaktivität und Kooperation zum Inbegriff einer ökologischen Existenz erhoben werden. Denn sie würden eine unhintergehbare, wechselseitige Verbundenheit mit einer vielschichtigen und nicht endgültig fassbaren Wirklichkeit zeigen und zugleich herstellen. Es ginge, so Sandra Gaudenzi, um: “A world where everything is dynamically connected and where relations are the bone structure of life.” (siehe hier [PDF]). Webdokumentationen werden zudem in der Tradition des Medienaktivismus verortet. Dabei wird Partizipation als Mittel für politisches Empowerment und sozialen Wandel angesehen. So befassen sich viele Webdokumentationen mit politischen Themen, etwa das Projekt Bottled Life zum Wasserhandel der Firma Nestlé oder eine Projekt über den Irakkrieg Irak – 10 Jahre, 100 Blicke. Partizipation der Nutzer_innen, das Sichtbarmachen von lokalen Konflikten auf globalem Niveau, die Aufklärung über benachteilige Bevölkerungsschichten sowie Unterstützung von Betroffenen für die Erstellung eigener Webdokumentationen (PDF) werden mit politischer Öffentlichkeit und politischem Handeln gleichgesetzt. Im Gegenstandsbereich der Webdokumentationen werden künstlerische Arbeiten favorisiert, die oft nur mit der finanziellen Unterstützung großer Sendeanstalten zustande kommen, allen voran ARTE. Zudem gibt es eher journalistische Webdokumentationen von Sendeanstalten. Die einschlägigen Werken werden nach Partizipationsformen und -graden (PDF) klassifiziert. Zu einem Geflecht sich wechselseitig zitierender Wissenschaftler_innen, die oftmals über praktische wie wissenschaftliche Kompetenzen verfügen und in beiden Bereichen tätig sind, gehören prominent: Sandra Gaudenzi, Matthew Soar, Jon Dovey, Arnau Gifreu sowie Adrian Miles. Aus einer Liste kanonisierter Projekte seien beispielhaft erwähnt: Prison Valley, One Millionth Tower oder Bear 71.

Über uns

Re-thinking methods: Experiments&Interventions als Methode eines kontinuierlichen und diskursanalytischen Überdenkens und Umdenkens von Bedingungen und Perspektiven digitaler Kulturen und ihrer Erforschung. Mehr dazu auf der Seite Über uns...

Das DCRL ist Teil des Centre for Digital Cultures (CDC) an der Leuphana Universität Lüneburg.

Kontakthof 2.0

Das Theaterprojekt „Kontakthof 2.0. Living in digital cultures“ wurde für die Verabschiedung des Innovations-Inkubators, Bereich Digitale Medien der Leuphana Universität Lüneburg erarbeitet, ein von 2009 bis 2015 von der EU gefördertes Projekt zur regionalen Entwicklung. Die Aufführung fand am 24.6.2015 im Rahmen der Abschlussveranstaltung des Inkubators an der Universität in einem Seminarsaal statt. Das Stück wurde in einem Seminar mit Studierenden zum Thema „TheorieTheater“ entwickelt. Eine ausführliche Projektdokumentation sowie den dazugehörigen Mitschnitt finden sie auf der Unterseite “Kontakthof 2.0. Embodiment of Remix und TheorieTheater“.