Das Stück

— Martina Leeker, September 2015

Das Stück bestand aus einer Montage verschiedener Szenen, die durch das Thema des Lebens in digitalen und neoliberalen Kulturen zusammengehalten wurden.

Es begann mit einem Einzug der Studierenden durch den Hörsaalgang der Universität, in dem die Mitarbeiter_innen der verschiedenen Projekte des Innovations-Inbukators im Rahmen der Abschlussveranstaltung an Ständen ihre Arbeitsergebnisse präsentierten. Die Studierenden trugen Anzüge und Etuikleider (Bild 1 und 2), in Anlehnung an die Kostüme der Tänzer_innen von Pina Bauschs Kontakthof (Bild 3).

Die Studierenden tanzten beim Einzug die Choreografie „Season March“, aus dem Film „Pina“ von Wim Wenders von 2011. Der Einzug wurde unterbrochen von Erläuterungen zu den Gesten in der Choreografie, die ebenfalls aus dem Film „Pina“ stammen. Durch die Kleidung und die Bewegungen war eine festliche Haltung gegeben. Beim Einzug schob ein Spieler einen Einkaufswagen, auf dem eine Tonanlage zum Abspielen des Soundtracks transportiert wurde. Eine Spielerin trug ein Plakat, auf dem das „Recht auf Remix“ eingefordert wurde. Ein weiterer Spieler trug Plakate, auf denen – gleich einem vergegenständlichten Zitat – die Quellen der Choreografie verzeichnet waren. Ziel des Einzuges war es, die Besucher_innen der Messe zur Aufführung zu locken. Am Aufführungsort wurde der Einzug fortgesetzt.

Der Bühnenhintergrund im Aufführungsraum bestand aus einer bunten Plakatwand, auf der gleich eine Zitatensammlung eine Auswahl der im Stück genutzten Bestandteile für Remixes aufgeführt wurden. Das Zusammenfügen unterschiedlicher Elemente ist durchaus eine Methode des so genannten postdramatischen Theaters (PDF, Martina Haase, Postdramatisches Theater). Im „Kontakthof 2.0“ ging es nun aber darum, aus dem Montieren, Collagieren und Assemblieren ein auf die Möglichkeiten von Theater bezogenes Remixing umzusetzen. Das heißt, fremde Körperlichkeiten sollten verkörpert und in einen neuen Kontext gestellt werden. Eine Weise der Übersetzung des Remixens ins analoge Performen war die Vergegenständlichung und Verkörperung des Zitats.

Auf der Bühne befanden sich zudem drei Monitore, auf denen Mitschnitte zu den originalen Choreografien von Pina Bausch gezeigt wurden, sobald sie live auf der Bühne getanzt wurden.

Im Aufführungsraum angekommen, führten die Spieler_innen die Zuschauer_innen in das Stück ein und trugen die Rahmung des von allen Anwesenden geteilten Lebens in neoliberalen Verhältnissen und digitalen Kulturen vor.

In der folgenden Szene berichteten sie von ihren Befindlichkeiten in einer neoliberal organisierten Welt. Sie erzählten von Leistungsdruck sowie von der Angst, etwas zu verpassen, wenn sie sich für einen Weg entscheiden. Eine wichtige Erfahrung bildet das Netzwerken, das sich auf soziale Netze bezieht, über die man sich verbindet, sowie auf ökonomische Netzwerke, die bei Suche nach Jobs helfen.

In der von Sarah Kresse und Lea Meinersdorf verfassten „Netzwerk-Szene“ wurde ein theoretischer Text in eine Spielszene aufgelöst. Verhandelt wurden die Vorzüge von regionalen Netwerken für die wirtschaftliche Entwicklung. Dargestellt wurden allerdings mit verschiedenen Mitteln die atmosphärischen und affektiven Seiten des Netzwerkens.

Download Netzwerk-Szene als PDF (88 kB)

In der folgenden Szene wurde eine Tanzszene mit Nazareth Panadero aus „Kontakthof“ im Film „Pina“ von Wim Wenders mit einer weiteren Tanzszene zu Juan Llossas Frühling und Sonnenschein remixt. Sie können im weitesten Sinne als Fortführung der Verhandlungen über Netzwerken gesehen werden. Denn Nazareth Panadero wurde in einen Berührungstanz verwickelt und die Tanzsequenzen der Akteurinnen beruhten auf einer unsichtbaren Vernetzung der choreografischen Elemente.

Abschließend setzten die Spieler_innen ihre Berichte zum Befinden in neoliberalen und digitalen Kulturen fort.

Über uns

Re-thinking methods: Experiments&Interventions als Methode eines kontinuierlichen und diskursanalytischen Überdenkens und Umdenkens von Bedingungen und Perspektiven digitaler Kulturen und ihrer Erforschung. Mehr dazu auf der Seite Über uns...

Das DCRL ist Teil des Centre for Digital Cultures (CDC) an der Leuphana Universität Lüneburg.

Kontakthof 2.0

Das Theaterprojekt „Kontakthof 2.0. Living in digital cultures“ wurde für die Verabschiedung des Innovations-Inkubators, Bereich Digitale Medien der Leuphana Universität Lüneburg erarbeitet, ein von 2009 bis 2015 von der EU gefördertes Projekt zur regionalen Entwicklung. Die Aufführung fand am 24.6.2015 im Rahmen der Abschlussveranstaltung des Inkubators an der Universität in einem Seminarsaal statt. Das Stück wurde in einem Seminar mit Studierenden zum Thema „TheorieTheater“ entwickelt. Eine ausführliche Projektdokumentation sowie den dazugehörigen Mitschnitt finden sie auf der Unterseite “Kontakthof 2.0. Embodiment of Remix und TheorieTheater“.