Neoliberale Regime und Savannen-Bewohner_innen

— Martina Leeker, September 2015

Thema des Theaterstückes war das Leben in neoliberalen digitalen Kulturen. Die These war, dass diese von den Studierenden wie von den aus der Institution ausscheidenden Mitgliedern des Innovations-Inkubators geteilt werden. Die Idee war, dass dies zu spezifischen Verhaltensweisen führt, da man sich in einem Milieu aufhält. Vorbild für diese Sichtweise war die theateranthropologische Forschung (PDF, Eugenio Barba, Nicola Savarese, A Dictionary of Theatre Anthropology: The Secret Art of the Performer, London – New York 1991) von Eugenio Barba, Gründer und Leiter des Odin Teatret, in der International School of Theatre Anthropology (ISTA). In der Theateranthropologie geht es um die Sammlung und Erforschung eines jenseits von kulturellen Einschreibungen ein- und ausgeübten prä-expressiven Verhaltens, das alle Akteur_innen gleichermaßen teilen. In dieser Sicht bildet die „Bühne“ eine Umwelt, gleichsam eine Art Savanne, die die Lebensbedingungen der Akteur_innen sowie das darin angemessene Verhalten erzeugt. Eugenio Barba schreibt:

“There is no doubt that spatial poetry, the performer’s extra-daily technique, and pre-expressive behaviour are different ways of suggesting the same reality which, however, projects different shadows.”

Eugenio Barba, THE PAPER CANOE, A Guide to Theatre Anthropology, London – New York 1995, hier S. 161 auf asset.soup.io (PDF)

Zu den Verhaltensweisen, die auf der Bühne transkulturell erforderlich sind, gehört u. a. die Herstellung von Präsenz. Eine Methode diese zu erreichen ist, wie das Buchcover zeigt, das Einnehmen eines prekären, nicht-alltäglichen Gleichgewichtes.

Die Leuphana sollte in vergleichbarer Weise zu einem Ort im Sinne einer neoliberalen Savanne werden, in der Studierende und Mitarbeiter_innen spezifische Bedingungen und Verhaltensregeln in je eigener Ausprägung teilen. Es wurde angenommen, dass beim Studieren bzw. Arbeiten an einer Unternehmens-Universität als neoliberale Savanne ein hohes Maß an Engagement, Selbstkontrolle sowie das Diffundieren der Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit den geteilten Lebensbedingungen und Verhaltensweisen entspricht. Zudem ist Kreativität wichtig, die bei den Studierenden als Selbstverwirklichung aufgefasst wird und bei den Mitarbeiter_innen in Geschäftsmodelle fließt.

Über uns

Re-thinking methods: Experiments&Interventions als Methode eines kontinuierlichen und diskursanalytischen Überdenkens und Umdenkens von Bedingungen und Perspektiven digitaler Kulturen und ihrer Erforschung. Mehr dazu auf der Seite Über uns...

Das DCRL ist Teil des Centre for Digital Cultures (CDC) an der Leuphana Universität Lüneburg.

Kontakthof 2.0

Das Theaterprojekt „Kontakthof 2.0. Living in digital cultures“ wurde für die Verabschiedung des Innovations-Inkubators, Bereich Digitale Medien der Leuphana Universität Lüneburg erarbeitet, ein von 2009 bis 2015 von der EU gefördertes Projekt zur regionalen Entwicklung. Die Aufführung fand am 24.6.2015 im Rahmen der Abschlussveranstaltung des Inkubators an der Universität in einem Seminarsaal statt. Das Stück wurde in einem Seminar mit Studierenden zum Thema „TheorieTheater“ entwickelt. Eine ausführliche Projektdokumentation sowie den dazugehörigen Mitschnitt finden sie auf der Unterseite “Kontakthof 2.0. Embodiment of Remix und TheorieTheater“.