Remix und Performance

— Martina Leeker, September 2015

Die zweite Methode, die im Theaterprojekt „Kontakthof 2.0“ für digitale Kulturen gewonnen und erprobt wurde, ist das „Embodiment of remix“. Zum Remix schreibt Felix Stalder in einem grundlegenden Aufsatz:

„Remixing ist nicht nur ein modischer Stil der elektronischen Musik oder von nutzergenerierten Inhalten auf populären Plattformen wie YouTube. […] Vielmehr ist es eine Meta-Methode, ein viele Genres und spezifische Arbeitsweisen kennzeichnendes Verfahren, in welchem unter Verwendung bestehender kultureller Werke oder Werkfragmente neue Werke geschaffen werden. Wesentlich bei einem Remix ist sowohl Erkennbarkeit der Quellen wie auch der freie Umgang mit diesen. Die Erkennbarkeit der Quellen schafft einerseits ein internes Verweissystem, welches wesentlich die Bedeutung des neuen Werkes beeinflusst, und erlaubt anderseits, multiple Perspektiven miteinander zu verbinden und damit ein neues Verhältnis zwischen individueller und kollektiver Wahrnehmung zu artikulieren.“

Felix Stalder, Neun Thesen zur Remix-Kultur 2009, hier S. 1 auf irights.info (PDF)

Einleitend ins Museum für Remix heißt es:

„Remix ist selektiv. Ausschnitte, Teilstücke, Schnipsel, Samples und andere Fragmente von Werken werden im Remix neu zusammengeführt. Remix lebt dabei von erkennbarer Auswahl in neuer Einheit.

museum.rechtaufremix.org

Wichtig ist mit Stalder, dass das beschriebene Remixen mit der Verfasstheit digitaler Technologien erst möglich wird, denn es gälte:

„[…] einen Unterschied zu betonen, weil der Begriff nicht nur das analoge Zusammenführen fremder ‚Fertigteile’ […] in einen neuen Zusammenhang, sondern auch das fluide, digitale Transformieren dieser Teile selbst umfasst.“

Felix Stalder, Neun Thesen zur Remix-Kultur 2009, Hier S. 1–2 auf irights.info (PDF)

Das „Embodiment of remix“ leistet nun einen besonderen Beitrag zu dieser Kulturtechnik, die sich aus der unterschiedlichen Verfasstheit von Performances und technischen Medien ergibt. Denn im Embodiment treffen Digitales und Analoges aufeinander. Dadurch könnte zum einen eine Übersetzung von Körper, Subjekt und kultureller Produktion (u. a. Werke, Narrationen, Lebensweisen) in einen digitalen Modus der Vernetzung, Skalierung, Verrechnung und Transformation ausgelöst werden. Zum anderen könnte sich an der Begrenztheit des Remixens in den Darstellenden Künsten zugleich eine Form der Widerständigkeit gegen digitale Kulturen zeigen, die mit der Behäbigkeit und im Verhältnis zu digitalen Operationen begrenzten bzw. andersartigen Transformierbarkeit des Analogen zusammenhängt. Diese kann immer da von Nutzen sein, wo digitale Kulturen zu schnell und undurchschaubar sind. Bevor die Methode des Embodiment of remix spezifiziert und ausgewertet werden kann, gilt es allerdings zunächst zu klären, warum sich das Tanztheaterstück „Kontakthof“ von Pina Bausch in besonderem Maße für das verkörperte Remixing eignete.

Über uns

Re-thinking methods: Experiments&Interventions als Methode eines kontinuierlichen und diskursanalytischen Überdenkens und Umdenkens von Bedingungen und Perspektiven digitaler Kulturen und ihrer Erforschung. Mehr dazu auf der Seite Über uns...

Das DCRL ist Teil des Centre for Digital Cultures (CDC) an der Leuphana Universität Lüneburg.

Kontakthof 2.0

Das Theaterprojekt „Kontakthof 2.0. Living in digital cultures“ wurde für die Verabschiedung des Innovations-Inkubators, Bereich Digitale Medien der Leuphana Universität Lüneburg erarbeitet, ein von 2009 bis 2015 von der EU gefördertes Projekt zur regionalen Entwicklung. Die Aufführung fand am 24.6.2015 im Rahmen der Abschlussveranstaltung des Inkubators an der Universität in einem Seminarsaal statt. Das Stück wurde in einem Seminar mit Studierenden zum Thema „TheorieTheater“ entwickelt. Eine ausführliche Projektdokumentation sowie den dazugehörigen Mitschnitt finden sie auf der Unterseite “Kontakthof 2.0. Embodiment of Remix und TheorieTheater“.