Theater als Trotzburg gegen digitale Kulturen

— Martina Leeker, September 2015

Die gängigen Praktiken in Theater und Performance sind allerdings noch nicht auf ein Embodiment of Remix abgestellt und dieser Umstand verdeutlich noch einmal die Radikalität dieser Methode. Sobald nämlich der Körper im Spiel ist, scheinen Copyright und Autorschaft wichtiger zu werden als in Film oder Musik, obwohl auch sie mit Erstgenanntem kämpfen, dies zu Unrecht wie u. a. Lawrence Lessig deutlich macht. Was bedeutet es, wenn z. B. Choreografien von Pina Bausch genutzt werden, dies auch benannt, gleichsam mit Zitierhinweisen versehen wird, ohne allerdings eine Erlaubnis für das Wiederaufführen einzuholen? Wie sehr ein Werk am Körper wie in Theater/Performance gehütet wird, zeigen auch die Auseinandersetzungen sowie die Bewachung des Erbes z. B. von Bertolt Brecht oder Richard Wagner. Sie legen Zeugnis davon ab, dass die Performenden Künste sich anscheinend besonders schwer tun mit Remixing, obwohl sie doch auch aus der Wiederholung und Wiederholbarkeit erst existieren, etwa der ständigen Wiederaufführung von Werken, Inszenierungen oder Choreografien, oder dem Verkörpern geschriebener Texte und tradierter Choreografien. Der Schutz des geistigen Eigentums scheint gerade im ephemeren Bereich des Performens, dem alles flüchtig ist, behauptet und kontrolliert zu werden.

Neben dem Schutz geistigen Eigentums könnte ein weiterer Grund für die Zurückhaltung vor einer Verkörperung des Remixens sein, dass sie den Körper torpedieren würde, der traditionellerweise als Ort einer wenn auch wandelbaren, aber immerhin doch berührbaren und adressierbaren Identität und Authentizität gelten kann. Er verfügt nicht mehr über eine eigene Darstellung, sondern nur über die übersetzende Anverwandlung eines Fremden. Die Darstellenden Künste stehen mithin für Eigentum und Identität und dies ausgerechnet in einem Bereich, in dem der eigene Körper in der Darstellung anderem geliehen wird. Das Recht auf Remixen zu fordern, konfrontiert diese Haltung und Aufgabe und unterläuft sie.

Über uns

Re-thinking methods: Experiments&Interventions als Methode eines kontinuierlichen und diskursanalytischen Überdenkens und Umdenkens von Bedingungen und Perspektiven digitaler Kulturen und ihrer Erforschung. Mehr dazu auf der Seite Über uns...

Das DCRL ist Teil des Centre for Digital Cultures (CDC) an der Leuphana Universität Lüneburg.

Kontakthof 2.0

Das Theaterprojekt „Kontakthof 2.0. Living in digital cultures“ wurde für die Verabschiedung des Innovations-Inkubators, Bereich Digitale Medien der Leuphana Universität Lüneburg erarbeitet, ein von 2009 bis 2015 von der EU gefördertes Projekt zur regionalen Entwicklung. Die Aufführung fand am 24.6.2015 im Rahmen der Abschlussveranstaltung des Inkubators an der Universität in einem Seminarsaal statt. Das Stück wurde in einem Seminar mit Studierenden zum Thema „TheorieTheater“ entwickelt. Eine ausführliche Projektdokumentation sowie den dazugehörigen Mitschnitt finden sie auf der Unterseite “Kontakthof 2.0. Embodiment of Remix und TheorieTheater“.