Übersetzung von Remix in analoge Performance

— Martina Leeker, September 2015

Bleibt noch die Frage zu klären, wie das Remixen ins Performen übersetzt wird, um die Ästhetik des Embodiment of remix zu spezifizieren und dessen Einfluss auf das digitale Remixen zu markieren. Die Aneignung kann, so die ersten Auswertung der Praktiken aus dem Theaterprojekt „Kontakthof 2.0“, auf verschiedenen Ebenen geschehen. Hier wurde das exzessive Angeben von Zitaten erprobt, indem die gemischten Bestandteile über von einem Operateur getragene bunte Plakate ausgewiesen wurden. Mit diesem Vorgang wird im Gegensatz zu den Praktiken der Montage im postdramatischen Theater das Mischen ausgestellt. Damit wird der Drang zu einer dramaturgischen Kohärenz unterlaufen und das Moment des Konnektiven betont. Es geht nicht um eine narrative Stringenz, sondern um die schiere Mischung von Versatzstücken. Damit wird auf der einen Seite die Wiedererkennbarkeit garantiert, die Remixing nach Stalder (PDF, Felix Stalder, Neun Thesen zur Remix-Kultur 2009) auszeichnet. Zum anderen ist der Verweis auf Zitate ein Versuch, im Analogen die Möglichkeiten zum Mischen auf einer technischen Ebene im Digitalen zu imitieren. Dies geschieht, indem die Teile gleichsam als bloße Zeichenensembles freigestellt wurden.

Eine andere Methode des analogen Remixens bezieht sich auf die Art des Darstellens. Die Choreografien wurden von den Studierenden so genau wie möglich nachempfunden. In diesem Prozess wurde ein individueller Ausdruckswille reduziert und die Akteure zu Operateuren von Körperbewegungen. Diese Haltung des Darstellens kann als eine Imitation des Remixens mit digitalen Versatzstücken verstanden werden, in der das Subjekt als Macher zurücktritt.

Schließlich entfesselt das Remixen mit der Option, alles zu nutzen und in seiner Herkunft auszuweisen, eine große Spielfreude sowie eine Lust am Konstruieren. Im Umgang mit dieser wurde immer wieder der Drang umgegangen, Sinn und Kohärenz zu erzeugen. Das Embodiment of remix wäre eine probate Methode, für Theater und Performance neue Erzählweisen und Dramaturgien zu entwickeln, die sich eher aus einer Selbstbezüglichkeit als auch tradierten Erzählmustern und Bedeutungsmaschinerien erzeugen.

Werden Theater und Performance für das Remixen kompatibel gemacht, so entsteht ein neues Feld der Vernetzung und Verlinkung. Denn das Remixen weitet sich gleichsam in die Welt des Materiellen aus und gewinnt damit ein dem Internet vergleichbares Archiv und Operationsfeld. Zugleich müssen sich die digitalen Operationsfelder am Materiellen sowie auch an der Vergänglichkeit der Performance reiben. Durch diese Reibung entsteht, so der Gedanke, ein Reflexionsraum, in dem die Wirkungen des Remixen in seinem Embodiment beobachtet werden können.

Über uns

Re-thinking methods: Experiments&Interventions als Methode eines kontinuierlichen und diskursanalytischen Überdenkens und Umdenkens von Bedingungen und Perspektiven digitaler Kulturen und ihrer Erforschung. Mehr dazu auf der Seite Über uns...

Das DCRL ist Teil des Centre for Digital Cultures (CDC) an der Leuphana Universität Lüneburg.

Kontakthof 2.0

Das Theaterprojekt „Kontakthof 2.0. Living in digital cultures“ wurde für die Verabschiedung des Innovations-Inkubators, Bereich Digitale Medien der Leuphana Universität Lüneburg erarbeitet, ein von 2009 bis 2015 von der EU gefördertes Projekt zur regionalen Entwicklung. Die Aufführung fand am 24.6.2015 im Rahmen der Abschlussveranstaltung des Inkubators an der Universität in einem Seminarsaal statt. Das Stück wurde in einem Seminar mit Studierenden zum Thema „TheorieTheater“ entwickelt. Eine ausführliche Projektdokumentation sowie den dazugehörigen Mitschnitt finden sie auf der Unterseite “Kontakthof 2.0. Embodiment of Remix und TheorieTheater“.