Widerständigkeit des Embodiment of remix

— Martina Leeker, September 2015

Allerdings gelingt die Übersetzung des digitalen ins analoge Remixen nicht gänzlich. Das Embodiment of Remix im Performen ist immer ein Fake, Gemachtes, Nachempfundenes, selbst eine Form minderer Mimesis. Im Performen brechen nämlich doch die Individuen durch und die Remixes verlieren im Verkörpern ihren technischen Status. Sie sind nicht technisch, da die Körper eben nicht so leicht gesamplet werden können. Das Embodiment of remix ist mithin eine Transformation ins Digitale. Es ist aber zugleich eine Art Mahnstätte, die zeigt, wie begrenzt die Körper in diesen Operationen sind. Die Performance bleibt lokal, gebunden an die Körperlichkeit und Fähigkeiten.

Es geht mit diesen Verweisen auf das Widerständige nicht darum, Tradiertes zu erhalten, sondern Grenzen der Digitalisierung aufzuzeigen. In diesen Widerständigkeiten liegt darüber hinaus ein zu bergendes Potenzial, sich mit den Geheimniskulturen so auseinanderzusetzen, dass dessen Grenzen deutlich werden können. Dies könnte möglich sein, weil das Embodiment of remix selbst eine Operation an Grenzen und mit Begrenzungen ist, so dass im Performen die Aufmerksamkeit für Grenzen sowie deren Identifizierung trainiert werden. Zudem wird mit dem Embodiment of remix den digitalen Geheimniskulturen eine des Körpers entgegengestellt. Das Geheimnis des Körpers ist ebenso wenig zu entschlüsseln wie digitale Datenverarbeitungen. Es könnte sein, dass die Besinnung auf das Nicht-Verstehen des Körpers als existentielle Situation andere Formen und Haltungen erzeugt, mit dem digitalen Mysterium umzugehen. Schließlich sind auch die Wege des Remixens undurchschaubar, vergleichbar denen der Datenverarbeitung. In diesem Sinne bringt das Embodiment of remix eine Tranche von Nicht-Verstehen in Assemblagen auf die Bühne und übt aus diese Weise nicht nur die Überwindung der Hermeneutik ein. Sie schafft zudem exemplarisch Inseln der Sinngebung.

Über uns

Re-thinking methods: Experiments&Interventions als Methode eines kontinuierlichen und diskursanalytischen Überdenkens und Umdenkens von Bedingungen und Perspektiven digitaler Kulturen und ihrer Erforschung. Mehr dazu auf der Seite Über uns...

Das DCRL ist Teil des Centre for Digital Cultures (CDC) an der Leuphana Universität Lüneburg.

Kontakthof 2.0

Das Theaterprojekt „Kontakthof 2.0. Living in digital cultures“ wurde für die Verabschiedung des Innovations-Inkubators, Bereich Digitale Medien der Leuphana Universität Lüneburg erarbeitet, ein von 2009 bis 2015 von der EU gefördertes Projekt zur regionalen Entwicklung. Die Aufführung fand am 24.6.2015 im Rahmen der Abschlussveranstaltung des Inkubators an der Universität in einem Seminarsaal statt. Das Stück wurde in einem Seminar mit Studierenden zum Thema „TheorieTheater“ entwickelt. Eine ausführliche Projektdokumentation sowie den dazugehörigen Mitschnitt finden sie auf der Unterseite “Kontakthof 2.0. Embodiment of Remix und TheorieTheater“.