Wissenschaft als remix

— Martina Leeker, September 2015

Es soll noch ein kurzer Versuch gewagt werden, auch Wissenschaft in den Kontext von Remix und Embodiment of remix zu stellen. Stalder (PDF, Felix Stalder, Neun Thesen zur Remix-Kultur 2009) hat darauf verwiesen, dass die Kulturtechnik des Zitierens eine Praxis ist, um Werke und Individuen erst zu erzeugen und Besitz und Renommee zu erstellen und zu kontrollieren. Was wäre, wenn es einen Wildwuchs der Remixens sowie der Inkorporation auf der Textebene gäbe. Entspräche dieses Tun einer Wissenschaft der digitalen Kulturen, zumal der des digitalen Mysteriums? Müsste einer solchen Praxis nicht vehement entgegengewirkt werden, damit zumindest noch die Option einer theoretischen Durchdringung bestehen bleibt. Oder ist es vielmehr so, dass Wissenschaft im Getose digitaler Kulturen unglaublich blind und altmodisch modern den Rest der Welt solange ignoriert, solange sie sich nicht in ihren Traditionen aufgibt? Und schließlich steht in Frage, ob nicht diejenigen, die z. B. von der Assemblage als Form der Sinngebung in digitalen Kulturen schreiben oder die vom Ende der Hermeneutik reden, andere Format von Wissenschaft sowie andere Methoden des wissenschaftlichen Arbeiten für digitale Kulturen erdenken und testen müssten.

Ein Versuch des wissenschaftlichen Remixens wurde im Bereich Re-thinking methods in Gestalt des TheorieTheaters vorgeschlagen und erprobt und in diesem Aufsatz auch anhand der „Netzwerkszene“ (Download siehe unten) erläutert. Im TheorieTheater kommt es zu einem Remix wissenschaftlicher Theorien, Versatzstücke, Positionen und Figuren. Sie werden zudem inkorporiert, mithin gleich eines Parasiten angeeignet. Gerade in dieser Praxis, so war die These, können neue wissenschaftliche Erkenntnisse erzeugt und bestehende kritisch betrachtet werden. Könnte das TheorieTheater eine Methode sein, (medien-)wissenschaftliche Methoden ins Digitale zu überführen, statt sie nur in dieses zu übersetzen. Und sei es, dass das TheorieTheater nur eine Gedankespiel ist, es könnte einen Vorstellungsraum öffnen, Denken, Wissen, Machtverhältnisse und Organisationen noch einmal ganz anders zu sehen.

Download Netzwerk-Szene als PDF (88 kB)

Über uns

Re-thinking methods: Experiments&Interventions als Methode eines kontinuierlichen und diskursanalytischen Überdenkens und Umdenkens von Bedingungen und Perspektiven digitaler Kulturen und ihrer Erforschung. Mehr dazu auf der Seite Über uns...

Das DCRL ist Teil des Centre for Digital Cultures (CDC) an der Leuphana Universität Lüneburg.

Kontakthof 2.0

Das Theaterprojekt „Kontakthof 2.0. Living in digital cultures“ wurde für die Verabschiedung des Innovations-Inkubators, Bereich Digitale Medien der Leuphana Universität Lüneburg erarbeitet, ein von 2009 bis 2015 von der EU gefördertes Projekt zur regionalen Entwicklung. Die Aufführung fand am 24.6.2015 im Rahmen der Abschlussveranstaltung des Inkubators an der Universität in einem Seminarsaal statt. Das Stück wurde in einem Seminar mit Studierenden zum Thema „TheorieTheater“ entwickelt. Eine ausführliche Projektdokumentation sowie den dazugehörigen Mitschnitt finden sie auf der Unterseite “Kontakthof 2.0. Embodiment of Remix und TheorieTheater“.