Die Projekte

— Martina Leeker, November 2016

Im Laufe des Seminars entstanden zwölf Projekte zum Leben mit versehrten Dingen, die am 20.1.2016 im „Kunstraum“ der Leuphana Universität im Rahmen einer Ausstellungs-Performance für ca. achtzig Minuten gezeigt wurden. Jedes Projekt bestand aus dem versehrten Ding, einer Station, an der es ausgestellt sowie aus einer Performance, mit der es präsentiert wurde. Diese Performances vollzogen sich als Affirmation mit dem versehrten Ding sowie der zu ihm erfundenen Geschichten. Die Studierenden verwandelten sich dabei gleichsam in Figuren und verkörperten die durch die versehrten Dinge modifizierten menschlichen Agierenden. Die Besucher_innen konnten sich frei durch die Ausstellung bewegen.

Im Rahmen der Präsentation gab es zwei festgelegte Zeiträume, zu denen Performances mit klaren Zeitpunkten für Beginn und Ende aufgeführt wurden, und deshalb einer Fokussierung der Besucher_innen bedurften. Der jeweilige Beginn wurde mit einem Gong markiert und dann von einem Mitspieler angekündigt. Zu diesen Performances gehörte erstens eine in der Mitte der Präsentation aufgeführte, inszenierte Podiumsdiskussion mit zwei Vertreterinnen der erfundenen Betreuungsprogramme für versehrte Dinge. Es handelte sich um „Liebe deinen Toaster e. V.“ sowie das „Betreuungsprogramms für grenzüberschreitende Geräte (BGG)“. Die zweite Performance, in der ein Menschen-Affe ein iPhone zerstörte, fand am Ende der Ausstellung statt.

Im Rahmen der Vorbereitung der Ausstellung entstand aus den einzelnen Projekten mit versehrten Dingen eine gemeinsame Welt, die einer eigenen Logik folgte. Diese Welt deckte zentrale Aspekte des Lebens in digitalen Kulturen ab, die allerdings durch die besonderen Bedingungen des Lebens mit versehrten Dingen im Vergleich zum aktuellen Zustand verändert waren. So stand z. B. in Frage, wie die Organisation des Alltags bezogen auf ein Handlungsdesign durch versehrte Interfaces oder ein versehrtes Internet aussieht oder sich Leben mit versehrter, aber gleichberechtigter Kleidung gestaltet. Des Weiteren war z. B. von Interesse, welche ökonomischen Strukturen und Geschäftsformen mit versehrten Dingen aufkommen und wie es um die Rechte der die Dinge betreibenden Daten bestellt ist. Es entstand gleichsam eine Art Science Fiction, in dem die derzeit kursierenden Ding- und Techno-Ökologie-Diskurse bereits in die Tat umgesetzt und Wirklichkeit waren und deren, so wäre aus heutige Sicht zu sagen, Alltäglichkeiten und Schattenseiten auftauchten. Diese entstanden konsequent aus den Bedingungen des Umgangs mit versehrten Dingen, die man nicht mehr entsorgen darf. Dabei erschienen die Performer_innen als Kämpfer_innen für eine Verbesserung der Ding-Welten des Versehrten. Denn die neue Welt, in der die Dinge gleichberechtigt sind, musste noch gegen die Widerstände menschlicher Agierenden unterstützt werden, die ihre tradierten Privilegien nicht aufgeben wollten. Das heißt, in der Ausstellung befanden sich digitale Kulturen an einem Punkt im Dispositiv des Technosphärischen, an dem in einer techno-ökologischen Existenz die Aufwertung der Dinge sowie die Relativierung der menschlichen Agierenden bereits weit fortgeschritten, aber noch nicht gänzlich abgeschlossen war. Im Fokus standen deshalb ein Training der menschlichen Agierenden, mit dem die Akzeptanz des Lebens mit gleichberechtigten, versehrten Dingen erzeugt werden sollte, sowie die Anpassung menschlicher Verhaltensweisen an den Umgang mit diesen.

Eine große Herausforderung des Projektes bestand dabei darin, nicht in eine Haltung des Anthropomorphisierens zu verfallen, d. h. Dinge zu vermenschlichen. Es ging vielmehr darum, eine gleichberechtigte Handlungsagentur von einander fremden Entitäten herzustellen. Entscheidend dafür war zum einen die Anerkennung der Fremdheit, die durch Kenntnis von Funktionsweisen und Lebensbedingungen der Dinge erzeugt wurde. Zum anderen half die Erstellung und Anerkennung der Datenrechte dabei, Dinge und Daten als eigene Entitäten zu erzeugen, die man nicht repräsentieren, sondern mit denen man nur kooperieren kann. Fremdheit, Affirmation und Gesetzgebung waren mithin die die Ausstellung bedingenden und voranbringenden Haltungen.

Bei der Darstellung der Präsentation geht es nun darum, die Kohärenz dieser Parallelwelt zu erfassen. Dazu soll das Zusammenspiel von versehrten und dabei entfesselten Interfaces, Internet, Datenrechten, Dingen, Menschen und Geschäftsideen im Leben in Dingwelten und Techno-Ökologie nacherzählt werden.

We love SIRI, Liana Hayrapetyan, Naemi Petersen

Motto: Wir stellen Euch Siri von Herzen vor, die zu jeder Frage eine Antwort weiß.

Siri.pdf (20 kB)

Die Besucher_innen wurden gleich an der Eingangstüre von zwei reizenden Damen empfangen, die es sich zur Aufgabe gemacht hatten, die Gäste mit ihrer Präsenz und ihren Präsentationen von SIRI zu verzaubern. Es geht um jenes Programm, das auf von Nutzer_innen in ein Smartphone gesprochene Fragen antwortet, indem es Datenbanken im Internet durchforstet und die Ergebnisse den Fragenden vorspricht. Mobile Geräte, die mit SIRI ausgestattet sind, ermöglichen so einen dauerhaften Zugang zum Internet als einem omnipräsenten Archiv. Die Ausgabe der Suche in gesprochener Sprache unterstützt den Eindruck, dass hier die technischen Agent_innen zurückschauen und antworten.

In der hochgradig affirmierenden Präsentation der beiden Performerinnen verlor SIRI jeglichen Bezug zu einem bedrohlichen Szenario, in dem digitale Kulturen mit Überwachung, der Aneignung von Daten oder künstlicher Intelligenz zu tun haben könnten, die eines Tages den Menschen vereinnahmen oder gar ablösen könnte. An die Stelle dieser Visionen trat vielmehr das Modell einer Kooperation zwischen unterschiedlichen Entitäten und Agierenden, die die Welt so viel bunter, den Alltag um vieles leichter und die Interaktion mit den technologischen Umwelten so äußerst angenehm macht. Das heißt, digitale Kulturen schienen auf der phänomenalen Ebene weniger auf die Bedrohung ihrer Bewohner_innen durch Überwachung, Kontrolle oder künstliche Intelligenz, als vielmehr auf die Lust an der Kooperation mit technischen Dingen und Infrastrukturen zu setzen. SIRI wurde mithin in der Ausstellung als ein Modell von geteilter Agentenschaft zwischen menschlichen Agierenden und technischen Dingen verstanden und als solches angepriesen.

Damit entpuppte sich das Projekt als Reflexion und Übung zur Frage, welche Haltung versehrter Dinge und Menschen in digitalen Kulturen nötig sein könnte, um eine Gleichberechtigung jenseits des Anthropozentrischen herzustellen. Verzauberung und die Beseelung von technischen Dingen schien eine probate Methode. Diese ist bei genauerer Betrachtung allerdings gar nicht so neu, sondern hat eine Vor-Geschichte, die exemplarisch und pointiert an Rich Golds Konzepten zum Ubiquitous Computing zu Beginn der 1990er Jahre nachvollzogen werden kann. Gold war Künstler und Designer im Team von Mark Weiser im Palo Alto Research Center, kurz PARC, Forschungszentrum von Xerox, in dem Ende der 1980er Jahre das Ubiquitous Computing als Vorgeschichte der Ding- und Techno-Ökologie-Diskurse erfunden wurde. Gold beschreibt eine Kinderzauberwelt (Gold, Rich, The Plenitude: Design and Engineering in the era of Uniquitous computing, 2002, PDF), in der die technischen Dinge im Dunkeln ein magisches Eigenleben führen und die Nutzer_innen verzaubern. Rich Gold schreibt:

This new augmented reality is perhaps a little like the enchanted village, in which common objects have magically acquired new abilities, a village where toy blocks really do sing and dance when I turn out the lights.”

Gold, Rich, This is not that pipe, 1993, web.archive.org

Wie diese Verzauberung funktionieren soll, führt Rich Gold aus. Es handelt sich, so der Designer, um eine Fehlschaltung des Gehirns:

Interactivity exploits one of the mis-wirings of our minds: if something moves and reacts based on invisible forces (like the calculations of a small computer chip) we think it is alive. Our economy is now based on this mis-wiring.”

Ebda. S. 53

Was diese Fehlschaltungen gleichsam verdecken helfen, beschreibt Gold wie folgt:

Ubiquitous Computing is a new metaphor in which computers are spread invisibly throughout the environment, embedded and hiding as it were, within the objects of our everyday life. Each of these computers can talk with any of the other computers much like chattering animals in a living jungle, sometimes exchanging detailed information, sometimes just noting who’s around.”

Rich Gold, This is not that pipe, 1993, web.archive.org

Verzauberung und Beseelung (Gold, Rich, The Plenitude: Design and Engineering in the era of Uniquitous computing, 2002, PDF) sind mithin die entscheidenden Strategien im Umgang mit technischen Dingen sowie der Durchsetzung des Technosphärischen. Sie dienen der Blendung der menschlichen Nutzer_innen, mit der die Kommunikation der Daten-Dinge untereinander verdeckt wird. Das heißt, es geht vor allem um die allsinnige und affektive Vereinnahmung für eine Existenz in technologischen Umwelten.

Wenn die beiden Performerinnen nun vorbehaltlos die schöne neue SIRI-Welt als Stellvertreterin für ein Ausleben der Ding-Diskurse und Techno-Ökologie mit Verzauberung affirmierten, dann knüpften sie an diese Tradition an. Damit verwiesen sie auch darauf, dass die Diskurse zu Ding-Welten und Techno-Ökologie aufs Engste mit einer Faszinationsgeschichte der Kybernetisierung durch Beseelung, Verzauberung, Blendung und Verführung verbunden sind, ohne dass sie dies zeigen würden. Diese Faszinationsgeschichte fortzusetzen, wäre gleichsam der Preis für ein Leben in der „schönen neuen Welt“. Im Performen schien diese dann allerdings nicht weiter problematisch und durchaus eine akzeptable Möglichkeit.

Die beiden Damen erzeugten mit der SIRI-Promotion folgerichtig als Atmosphäre der Ausstellung Verzauberung und als Haltung für deren Besuch die Affirmation. Es ging um eine regelrechte „Einstellung“, ein Tuning der Besucher_innen. Vor diesem Hintergrund machte es Sinn, dass diese Station die erste war, der man in der Ausstellung begegnete.

Train your Brain, Jan-Erik Förster

Motto: Trainieren Sie während Sie mit der Maus arbeiten Ihr Gehirn.

Ein wichtiges Thema in digitalen Kulturen waren und sind seit dem Siegeszug der Kybernetik in den 1950er Jahren, mit der Mensch und Maschine in einem System zusammengeschlossen wurden, die Interfaces, d. h. die Schnittstellen, mit denen menschliche Agierende überhaupt Zugang zu den technischen Umwelten erhalten. Interfaces ermöglichen nicht nur die Steuerung technischer Operationen. Sie gestalten zugleich durch ihr Design das Verhalten der Nutzer_innen. Bei Interfaces geht mithin um ein sensibles Eingangstor zu technischen Welten sowie um Modelle und Regime der Mensch-Maschine-Interaktion. Was geschieht, so die Frage für die Ausstellung, unter der Voraussetzung einer radikalen Gleichberechtigung der Dinge, wenn die Interfaces gestört sind?

Die Brisanz dieser Frage wird umso deutlicher, wenn an die Geschichte der Interfaces und ihre zeitgenössische Konstitution erinnert wird. Ein starkes Argument in der Gestaltung der Mensch-Maschine-Schnittstelle (HCI) (Hans Dieter Hellige (Hg.), Mensch-Computer-Interface. Zur Geschichte und Zukunft der Computerbedienung, Bielefeld: transcript 2008, open access) ist seit jeher ihre „Usability“. Sie sollten und sollen möglichst intuitiv genutzt werden können, so dass die Stellen der Übersetzung analoger Werte und Daten in formalisierte und algorithmisch gesteuerte Welten unsichtbar werden. Ein gutes Interface ist mithin eines, das nicht auffällt. Sind diese nun versehrt, dann wird mit dieser Tradition gebrochen und der Zugang zu technischen Operationen erschwert bis verunmöglicht.

Im Kontext der Ding-Diskurse und Techno-Ökologien spitzt sich die Frage nach den Interfaces noch zu, da nun die ganze Umwelt ein unsichtbares Interface sein soll. Dieses Konzept erben sie von Mark Weisers Ubiquitous Computing seit Ende der 1980er Jahre. Diesen technikgeschichtlichen Hintergrund und dessen epistemologischen Konsequenzen beschreibt Jörg Pflüger in seiner Rekonstruktion der Geschichte der HCI (Jörg Pflüger, „Interaktion im Kontext“, in: Hans Dieter Hellige (Hg.), Mensch-Computer-Interface. Zur Geschichte und Zukunft der Computerbedienung, Bielefeld: transcript 2008, S. 323- 389, open access). Waren die Interfaces zu Beginn hardware-orientiert und deutlich als Befehlseingaben erkennbar, so wurden sie mit dem Ubiquitous Computing zu eigentätigen Agenten, die in intelligenten Umwelten unterwegs sind. Pflüger schreibt:

„‚Intelligente Umwelten‘ und verortete Informationen erfordern von der Maschine verstärkte ‚Context-Awareness‘, die jetzt nicht nur einzelne informelle Zusammenhänge, sondern die ganze Lebenswelt der potentiellen Nutzer betrifft. Der Computer verschwindet hinter vielen Interfaces, die registrieren, sich anbieten und Situationsangemessenes verkünden. Bei den allzeitbereiten Maschinen erscheint Zeit nicht mehr im Zwischenspiel der Interaktion, sondern als aufgehobene Geschichte früherer Begegnungen, um Subjekte und Objekte in den Weiten des Raums wiedererkennen zu können. Der umsorgte Nutzer wird subjektiv kontextfrei, insofern als seine Umwelten jeweils schon aufbereitet sind und er sich überall gleich heimisch fühlen kann. Und weil jede maschinelle Fürsorge ein ‚Controlling’ voraussetzt, ist er damit zugleich zum Objekt einer heimlichen Überwachung geworden.“

Jörg Pflüger, „Interaktion im Kontext“, in: Hans Dieter Hellige (Hg.), Mensch-Computer-Interface. Zur Geschichte und Zukunft der Computerbedienung, Bielefeld: transcript 2008, S. 323–389, hier: S. 325, open access: transcript-verlag.de

Diese Umstellung der Interfaces auf Ubiquität und Unsichtbarkeit bildete nun den Hintergrund für das Projekt in der Ausstellung, das die Auswirkungen des Umgangs mit versehrten Interfaces anhand einer Computermaus erkundete. Sie ist bis heute ein wichtiges Interface zum Wechselspiel von Steuerung und Gesteuert-Werden im Rahmen von Operationen des Computers und wurde Ende der 1960er Jahre von Douglas Engelbart in Stanford zur Steigerung des menschlichen Intellekts präsentiert. Sie stammt zwar noch aus einer Phase, in der Technologie örtlich begrenzt war und Interfaces einen Zugang zum Innenleben von lokalen Computern ermöglichen sollten. Gleichwohl ist sie auch in Zeiten von proaktiven smarten Agenten weiterhin unverzichtbar bzw. als Prinzip eines taktilen Zugangs z. B. zur Datenverarbeitung in Touchpads weiterhin präsent.

Wenn nun in den technosphärischen Welten Störungen oder Unterbrechungen durch Interfaces auftauchen, dann dürften diese, so die Überlegung, nicht länger eigenmächtig von Menschen behoben und ausgemerzt, oder gar technische Dinge entsorgt werden. In einem fortgeschrittenen Stadium einer technosphärischen Existenz wäre es vielmehr Aufgabe, sich der Gleichberechtigung der Dinge konsequent anzupassen und etwa mit versehrten Geräten zu arrangieren.

An einem Arbeitsplatz konnten in diesem technikgeschichtlichen und epistemologischen Kontext nun die Konsequenzen dieser avancierten techno-ökologischen Existenz erprobt und eine angemessene, affirmative Haltung für diese trainiert werden. Mit einer fehlgeleiteten Computermaus konnten Zeichnungen erstellt oder Computerspiele durchgeführt werden. Die Maus vollführte dabei allerdings eigensinnige Bewegungen, so dass die Nutzer_innen sie nicht kontrolliert einsetzen konnten. Doch die gestörten Mausbewegungen hatten durchaus positive Effekte, denn aus ihr entstanden Zeichnungen, die ohne sie nicht möglicht gewesen wären. Gerade die Abweichungen wurden zu einen lustvollen Erlebnis.

Es ging bei diesem Projekt also nicht darum, durch die Versehrtheit zu zeigen, wie sehr der Mensch von Technik besetzt und geregelt ist. Vielmehr stand im Zentrum die eulenspiegelnde Über-Affirmation, mit der der neue Status der Dinge anerkannt und getestet wurde. Es macht einen Unterschied, ob man von einer Computermaus gemaßregelt wird oder sich von ihr gegängelt fühlt, oder ob man auf eine versehrte Maus Rücksicht nimmt.

Blind vor Technik, Svenja Buck, Sina Wand

Motto: Wir führen den Menschen am Beispiel einiger Applikationen und einer Live-Simulation vor Augen, wie sehr sie sich auf Technik verlassen.

Diverse Dinge und Applikationen „navigieren“ ihre Nutzer_innen durch den Alltag. Wir verlassen uns darauf, von einem GPS-Gerät durch eine fremde Stadt geleitet zu werden. Wir befragen zudem eine Wetter-App vor dem Antritt einer Reise oder dem Verlassen der Wohnung nach der meteorologischen Situation, um entsprechende Bekleidung mitzunehmen. Oftmals verifiziert man die Auskunft einer App zur Wetterlage nicht, sondern vertraut ihr blind. Geräte und Software zur Selbstoptimierung zeigen an, wann was und in welcher Weise zu tun ist. Diese vertrauensvolle Haltung könnte allerdings, so die Überlegung dieses Projekts, unter der Voraussetzung, dass man es mit versehrten Apps oder Selbstoptimierungs-Trackern zu tun hat, zur Nutzung völlig unangemessener Kleidung oder gesundheitsschädlicher Aktionen führen. Ist die Versehrung dieser „Navigationen“ ein Dauerzustand, so sind Verhaltensweisen zu entwickeln, sich mit diesen zu arrangieren, da sie ja nicht entsorgt werden dürfen. Es wird wohl ein radikal kooperatives Zusammenspiel zwischen Dingen und menschlichen Körpern nötig sein, in dem der eigene Körper durchaus auch aufs Spiel gesetzt werden könnte, so die Ausgangsthese des Projektes.

Die Organisation von Alltag und Fortbewegung mit versehrten Navigationen, Vorhersagen und Optimierungsvorschlägen wurde nun in einer Station mit einem Spiel trainiert. Wichtig war, sich in dieser versehrten Welt lustvoll zu bewegen und diese liebevoll zu akzeptieren. Geübt wurde diese Haltung mit Hilfe einer Neufassung des Spiels „Wikingerkegeln“. Besucher_innen wurden mit verbundenen Augen von den beiden Performerinnen mit Hilfe von Kommandos zur räumlichen Orientierung durch ein abgestecktes Spielfeld geführt, das mit den Figuren des Wikingerkegelns begrenzt bzw. aufgefüllt war. Die Proband_innen sollten den Figuren ausweichen, was kaum gelang. Schließlich landeten sie vor einer weißen Wand, an der der Spruch: „Blind vor Technik“ angebracht war.

In der Atmosphäre der Ausstellung sowie der „Einstellung“, im Sinne des Tuning der Besucher_innen, zur Affirmation entsprach das Blindsein allerdings keiner Kulturkritik. Vielmehr ging es einmal mehr um eine kooperative Anpassung an eine versehrte technische Umwelt, mit der die menschlichen Agierenden deren Störungen kompensieren. Es ging mithin um Vertrauen in die Kooperation zwischen Menschen und technischen Dingen sowie darin, dass letztlich „alles“ glimpflich ausgehen werden. Diese Haltung bietet eine gute Grundlage für die Akzeptanz und Nutzung „selbstfahrender“ Autos (Thomas Harloff, Warum Teslas Autopilot beim tödlichen Unfall irrte, Süddeutsche Zeitung, 1.7. 2016).

Tape tape, tape it!, Paul Seegers

Motto: Einfach mit Gaffa-Tape die Probleme des Alltags lösen.

In einer Kultur, in der versehrte Dinge mit menschlichen Agierenden gleichgestellt sind, taucht unweigerlich die Frage nach Kulturen des Reparierens auf, da die Dinge nicht mehr entsorgt werden können. Materieller Ausgangspunkt für eine solche Kultur war in der Ausstellung das Klebeband Gaffa, das über das Potenzial verfügt, zum Kultstatus zu erhalten. Denn alle erdenklichen Dinge lassen sich mit Gaffa reparieren und wieder verwenden. Computermäuse und Monitore gehören ebenso zu diesem Pool wie Kugelschreiber und die Sitzflächen eines Stuhls. Gaffa ist dabei auch noch ein äußerst umweltfreundliches Material. Das Reparieren unterstützt zudem die Umwelt durch die Reduktion von Müll.

In diesem Projekt der Ausstellung kam es beim Reparieren nicht, wie man vielleicht zunächst vermuten könnte, zu einer Unterstützung von Umweltschutz und der Nachhaltigkeit, als vielmehr zu deren De-/Konstruktion. Damit machte es exemplarisch für die gesamte Ausstellung klar, dass es nicht um diese Themen geht, wenn versehrte Dinge gleichberechtigt behandelt werden. Sie zeigte damit auch, dass es in der aktuellen medienwissenschaftlichen Diskurslandschaft im Rahmen von Ding-Diskursen und Techno-Ökologie nicht um eine Verbesserung der Umwelt geht. Vielmehr steht eine Neubewertung des Anthropologischen durch die Kooperation mit technologischen Umwelten im Fokus.

Dieses Paradigma wurde dann auch im Projekt affirmiert. Die Reduktion der Entsorgung versehrter Dinge, die in der Ausstellung mit diesem Projekt vorgenommen wurde, führte folgerichtig weder zu einer gesünderen Umwelt, noch zu einem bio-technischen Kontrollsystem (Vgl. das Forschungsprojekt „Complexity and Control“, CCP, von u.a. Ulli Vilsmaier und Erich Hörl), auf das Modelle zu Nachthaltigkeit und Umweltschutz im Sinne der Kontrolle technischer Verläufe und menschlicher Verhaltensweisen abzielt. Vielmehr zeigte das exzessive Arbeiten mit Gaffa eine lustvolle Besessenheit an diesem Tun. Es ging um ein Reparieren um des Reparierens willen. Gepriesen wurde mithin eine sich selbst genügende Tätigkeit und Beschäftigung. Dieses Projekt verwies somit zugleich auf eine wenig erfreuliche Dimension in den versehrten Welten. Es zeigt einen möglichen Suchtfaktor in der Welt der Dinge auf, den man „Repariersucht“ nennen könnte.

Die kleiderflüsternde Nähwerkstatt, Nadine Teichmann

Motto: Die Kleider haben meinen Willen übernommen.

„Kleiderflüsterer“ (Nadine Teichmann) (46 kB)

Unter dem Diktum der gleichgestellten Ding-Welten könnten versehrte Kleidungstücke nicht mehr entsorgt, sondern müssten aufgehoben werden. Auch zum Reparieren dieser Kleidungstücke müsste eine neue Haltung entwickelt werden, denn dieses dürfte ihnen nicht einen fremden Gestaltungswillen auferlegen. Haben Dinge nämlich ein eigenes Recht, dann können sie nicht einfach repariert, sondern müssten mit Respekt behandelt werden. Welche Methoden dafür genutzt werden könnten und wie diese den Alltag verändern, zeigte sich am Projekt einer „Kleiderflüsterin“. Sie lauschte Kleidungsstücken Wünsche ab, wie sie gerne in der Reparatur vernäht werden wollten. In der Logik dieser Konstellation nähte sie schließlich die Ärmelöffnungen ihres Pullovers zu, so dass die weiteren Nähaktionen deutlich erschwert wurden.

Ähnlich wie im Projekt mit der versehrten Computermaus wurde hier der Umgang mit versehrten Dingen erprobt und geübt. Die menschlichen Agierenden passen sich ihnen an und machen dabei zugleich neue Entdeckungen, die ohne die durch die versehrten Dinge ausgelösten Rekonfigurationen nicht möglich gewesen wären. So entdeckte der Körper der „Kleiderflüsterin“ neue Bewegungsmöglichkeiten und andere Formen der Organisation von Arbeit wurden erzeugt.

Mit diesem Projekt wurde markant ein weiterer Aspekt der Ding-Diskurse und Techno-Ökologien eingespielt. Es geht um die Frage einer Wiederbelebung animistischer Vorstellungshorizonte, die gegebenenfalls in Gestalt der Beseelung der technologischen Umwelten und Ding-Welten einsetzt. Symptomatisch für diese Wiederkehr ist die Beschreibung eines Seminars von Erich Hörl an der Ruhr Universität Bochum aus dem Wintersemester 2012/2013. Darin heißt es:

„Das Themenspektrum des Projektmoduls, das sich prinzipiell medientechnischen Beseelungs- und Belebungspraktiken widmet, reicht von den spiritistischen Medien des späten 19. Jahrhunderts bis hin zur Wiederkehr animistischer Medienkulturen und lebendiger Objektkulturen in Gestalt der Medien des 21. Jahrhunderts, von der Geisterphotographie und von Radiostimmen über den Animationsfilm bis hin zur neoanimistischen Situation der Gegenwart durch ubiquitous computing, GPS, Smart phones, intelligent environments, RFID. Unter dem Titel des Animismus wird eine Erkundung nicht-moderner Denkweisen, Ontologien, Erkenntnistheorie unternommen und diese werden auf ihre medientechnischen Grundlagen und Einsätze für eine Neubeschreibung der Gegenwart hin befragt. Ausgehend von einer Rekonstruktion der gegenwärtig in Ethnologie und Sozialanthropologie wiederaufgenommenen, sehr lebhaft geführten Debatte über den Animismus wird das Thema von uns schrittweise systematisch und historisch entfaltet werden, […].

ifmlog.blogs.ruhr-uni-bochum.de

Animismus wird in der aktuellen Diskurslandschaft und medienwissenschaftlichen Forschung aus einer doppelten Perspektive gesehen und gefördert. Auf der einen Seite gilt er als eine Option, Welt und Kultur anders zu sehen und deren krisenhafte Lage zu verbessern. Denn wo vorbewusste Kräfte am Werk sind, könnten menschliche Agierende durch diese Affizierung durch die Umwelt und die Re-Integration in diese zu einer bescheideneren Haltung gebracht werden. Diese wäre im Vergleich zu den Praktiken und Epistemologien der Vor-Moderne nun unabdingbar an technische Medien und damit an Techno-Animismus gebunden (Vgl. auch: Erich Hörl, Marita Tatari „Die technologische Sinnverschiebung. Orte des Unermesslichen”, in: Orte des Unermesslichen. Theater nach der Geschichtsteleologie, Marita Tatari (Hg.), Zürich-Berlin: diaphanes 2014, S. 43–63). Auf der anderen Seite zeigen die weiter oben angeführten Konzepte von Rich Gold zum Ubiquitous Computing, dass Beseelung (Gold, Rich, The Plenitude: Design and Engineering in the era of Uniquitous computing, 2002, PDF) gleichsam eine Zauberwaffe im Umgang mit technischen Dingen sowie der Durchsetzung des Technosphärischen ist. Diese diente vor allem der Blendung der menschlichen Nutzer_innen. Während Rich Gold seinem Tun affirmativ gegenüberstand, es gleichsam als nötige Strategie dafür sah, in einer besseren techno-logischen Welt anzukommen, hat Wolfgang Hagen den Animismus von Medienpraxis und Medienwissenschaft scharf herausgearbeitet und kritisiert. Es zeigt, dass Animismus im Gewand des Spiritismus (Wolfgang Hagen, Die entwendete Elektrizität. Zur medialen Genealogie des ‚modernen Spiritismus‘, 2006) des 19. Jahrhunderts untrennbar mit der Entdeckung und Entwicklung technischer Medien verbunden ist. Er diente dazu, nicht erklärbare Dinge mit dem Unerklärlichen verstehbar zu machen. Effekt dieser Erklärungsmodelle aber war die blinde Bindung an Technologie als Geister-Medien, die bis heute wirken dürfte.

Wenn nun also die Kleiderflüsterin in der Ausstellung zu den versehrten Dingen mit diesen spricht und ihnen Wünsche ablauscht, dann wird darauf verwiesen, dass und mit welchen Effekten in den Ding-Kulturen Animismus wieder auftaucht. Er führt zu einer gründlichen Transformation des Menschen, mit der er für ihn hinderliche Verhaltensweisen selbst herstellt und glücklich begrüßt und hinnimmt. Unklar bleibt dabei, wo die Dinge und wo menschliche Auto-Suggestion sprechen. Es stellt sich mithin die Frage, wie viel „Hören“ eines großen Ganzen im Animismus steckt und wie viel Projektion diesen konstituiert. Festzuhalten bleibt, dass das Leben mit versehrten Dingen animistische Praktiken, Erfahrungen und Horizonte gleichsam zwangsläufig aufruft, sobald die Sinne sensibilisiert und auf dieser Grundlagen von der Umwelt affiziert werden. Zudem werden Dinge zwischen Himmel und Erde aufgerufen, die man jenseits der vorbewussten Einstellung nicht mehr wissen kann.

Betreuungsprogramm für grenzüberschreitende Geräte (BGG), Franziska Debey, Julie Heitmann, Nadine Teichmann

BGG: Plakate, Studiengänge (764 kB)

In besonderer Weise betrieben die beiden im Rahmen der Ausstellung erfundenen und gleichsam miteinander konkurrierenden Betreuungsprogramme für versehrte Dinge eine weitreichende Affirmation mit der „neuen Welt“. Ausgangspunkt und Bezugsrahmen waren Organisationsformen menschlicher Agierender wie Kitas oder Seniorenheime, mit denen sie das Zusammenleben mehrerer Generationen regeln. Diese wurden im Hinblick auf versehrte technische Dinge weitergedacht.

Im „Betreuungszentrum für grenzüberschreitende Geräte“ (BGG) konnten versehrte Dinge zur Betreuung abgegeben werden, damit sie nicht allein und unbeaufsichtigt zu Hause zurückgeblieben Schäden anrichten könnten. Um dieses BGG entspann sich eine ganz eigene Welt, die von psychologischen Schulungen von Geräte-Kooperator_innen für einen angemessenen Umgang mit Geräten bis hin zu neuen Studiengängen für z. B. Elektropädagogik reichen konnte.

Kenne Deinen Toaster e.V., Julie Heitmann

Motto: Vierzehntägiger Workshop für Sie und Ihr Gerät. Ich berate Sie gerne.

Plakate: Kenne Deinen Toaster e.V. (213 kB)

Der Verein gehörte zu den Betreuungsprogrammen und bot Workshops für die Schulung einer gleichberechtigten Kooperation menschlicher Agierender mit Dingen an. Ziel war es, Verständnis und Empathie mit den Dingen herzustellen, so dass die Kooperation zwischen beiden Seiten optimiert werden kann. Es wurde in den Erläuterungen an dieser Station deutlich, wie viel Unwissen bei menschlichen Agierenden bezogen auf die Dinge noch vorliegt.

Podiumsdiskussion der Vertreterin des BGG und des „Kenne Deinen Toaster e.V“, Franziska Debey, Julie Heitmann, Nadine Teichmann

Podiumsdiskussion zum Download (101 kB)

Zur Hälfte der Präsentation der Ausstellung wurde eine inszenierte Podiumsdiskussion zwischen den Vertreterinnen der beiden Betreuungsprogramme gezeigt. Die Studierenden hatten dafür einen Text (Download oben) verfasst, in dem die Statements der beiden Vertreterinnen notiert waren. Tenor der Szene war, dass die menschlichen Agierenden viel zu wenig von den Dingen wissen und es auf diese Weise zu Fehlhandlungen kommt.

Die beiden Vertreterinnen gerieten in Streit darüber, ob man mit den Dingen unmittelbar kommunizieren könne oder ob es eher darum zu gehen habe, dass Menschen mehr Empathie für die Dinge und ihre Gleichberechtigung entwickeln. Schließlich blieb, wie auch schon bei der Kleiderflüsterin, offen, wie viel Projektion menschlicher Ideen in den Ding-Welten geschieht. Diese Frage steht sicherlich im Zentrum der Auseinandersetzung mit Ding-Welten und Techno-Ökologien. An dieser krankt auch das Modell des Anthropozäns (Sabine Selchow, Die Apokalypse duldet keinen Sachzwang. Ein Gespräch mit Ulrich Beck und Bruno Latour, Frankfurter Allgemeine, Mai 2014), denn mit diesem werden Anthropozentrismen gerade da hypostasiert, wo sie aufgelöst, zumindest doch relativiert werden sollten. Ausschlagend dafür ist, dass letztlich menschlichen Agierenden die Verantwortung für die geschädigte Umwelt sowie für deren Rettung gegeben wird, statt das Modell einer aus der Spezies begründeten Handlungsmacht zu de-/konstruieren. Dies aber wäre nötig, um eine Reflexion von Ding-Welt und Techno-Ökologie zu ermöglichen. Zu beachten wäre zudem mit Jason Moore die Verquickung von Ökonomie und Ökologie. Eine „Natur“ hat es nie gegeben, sondern immer nur wirtschaftlich nützliche Naturkonzept. Statt von Anthropozän wäre von einem Kapitalozän (Jason Moore W. The Capitalocene. Part I: On the Nature & Origins of Our Ecological, Crisis, PDF) zu sprechen.

Während der Diskussion zeigte sich zudem die Um-Ordnung des alltäglichen Lebens, die durch die neue Aufmerksamkeit für die Dinge und die Berücksichtigung ihres gleichwertigen Status sowie ihrer Rechte aufkommt. So wäre z. B. in Hotels die Arbeit mit versehrten Staubsaugern Gang und Gebe, da diese nicht mehr entsorgt werden dürften. Dies führe dazu, dass die Zimmer nicht mehr gründlich gereinigt würden und sich Staub anlagere. Diese Anlagerungen hätten aber schon zu einer neuen Verhaltens- und Kunstform geführt, da Gestaltungen aus Staub vorgenommen würden. Die eingeschränkte Reinigung habe aber auch den Wert sowie die Überprüfbarkeit von Arbeit verändert. Da eine gründliche Reinigung nicht mehr möglich sei, wäre es schwierig nachzuprüfen, ob und in welcher Qualität Arbeit geleistet wurde. Neue Hierarchien und Weisen des Vertrauen sind in Arbeitsverhältnissen zu entwickeln.

In der Diskussion kamen schließlich auch problematische Aspekte der neuen sozialen und kulturellen Ordnung zum Ausdruck. So wäre die Arbeitskraft der menschlichen Agierenden reduziert, da sie sich um die versehrten Dinge zu kümmern hätten. Zudem würden die nötigen Schulungen für die Optimierung des Zusammenlebens von dinglichen und menschlichen Agierenden viel Zeit in Anspruch nehmen und Geld verschlingen. Fazit war, dass die Kulturen des Zusammenlebens noch am Anfang stehen und Verbesserungen nötig seien.

In diesem Projekt wurden die Konsequenzen der anthropo-dinglichen Ko-Existenz umfänglich und stringent ausbuchstabiert. Dies betrifft die Verteilung und Organisation von Rechten und Pflichten ebenso wie Alltag und Arbeit in der Dingkultur. Zudem zeigte sich, dass das Ernst-Nehmen der Dinge neue Berufe und Ausbildungen sowie Institutionen hervorbringt. Wo Bruno Latour nur von einem Parlament der Dinge (Bruno Latour. Das Parlament der Dinge – Für eine politische Ökologie. Frankfurt am Main: Suhrkamp 2001, PDF) redet, wurde dieses kollektive Sein der Dinge und Menschen in der Ausstellung ernst genommen und konsequent verkörpert. Darin zeigte sich, dass eine Wirklichkeit der Ding-Kulturen bisher womöglich noch nicht konsequent gedacht wurde, da ansonsten bereits Korrekturen vorgenommen werden müssten.

Markt für versehrte Smartphones, Laila Walter

Motto: Ich kaufe Ihnen Ihre versehrten Smartphones ab und betreue sie in einer besseren Welt

Präsentation Versehrte Smartphones (1,1 MB)

In der entstandenen Kunstwelt der versehrten Dinge markierte der „Markt für versehrte Smartphones“ die Station, die kongenial zu den neuen Ding- und Datenwelt deren ökonomische Seite ausführte. Wenn die Menschen ihre Smartphones nicht mehr entsorgen, so ist mit deren Ankauf ein besonderes Geschäft zu machen. Diese Geschäftsidee setzte ein findiges Start-up um. Über das Internet konnten dem neuen Unternehmen versehrte Smartphones zum Ankauf angeboten werden. Von den ehemaligen Besitzer_innen ließ sich das geschäftstüchtige Start-up dann dafür bezahlen, die Geräte stellvertretend und angemessen aufzubewahren. Als Beispiel diente die Unterbringung eines versehrten Handys auf einem Altar. Um den symbolischen Wert des Smartphones zu präsentieren, wurde dieser mit üppigen Opfergaben ausgestattet. In Anlehnung an die Kulturen des Opferns in buddhistischen Religionen wurden verschiedene edle Obstsorten sowie Blumen auf dem Altar arrangiert.

Magna Carta. Rechte der Dinge, Martina Keup

Motto: Nicht nur Menschen haben Rechte, Daten auch. Wir stehen dafür ein.

Datenrechte (Martina Keup) (90 kB)

In diesem Projekt wurde eine „Magna Carta der Datenrechte“ ausgestellt. Datenrechte wurden zu einem wichtigen Thema, da smarte Dinge technische Geräte sind und durch Algorithmen gesteuert Daten sammeln und verarbeiten. Sie wurden zum anderen nötig, weil Menschen, Dinge und Daten in einer Handlungsagentur verwoben sind. In den Datenrechten wurden, in Anlehnung an die Menschenrechte, Daten z. B. das Recht auf den Schutz des Lebens, auf Bewegungsfreiheit oder auf Versammlung (Kompatibilität) zugestanden. Eine Konsequenz dieser Rechte wäre z. B., dass auf Grund der Bewegungsfreiheit Maßnahmen menschlicher Agierender zum Datenschutz nicht zulässig wären.

Dieses Projekt forderte wohl am meisten das vorherrschende Verständnis zum Verhältnis von Dingen und Menschen heraus. Wo nämlich die Dinge und Daten Rechte haben, geht es nicht mehr nur um auf Menschen bezogene Kulturen und Verhältnisse. Diese anderen Kulturen wurden zunächst mit einem rechtlichen Rahmen rein formal abgesteckt und geregelt. Die Regel für die Verfassung der Rechte war, dass in möglichst allen Artikeln der Menschenrechte ein Ding-Recht gefunden werden sollte. Mit der Gleichstellung der Dinge in der Übertragung von Menschen- auf Datenrechte sollte anthropozentrisches Denken unterwandert werden.

Hintergrund für diese Ausarbeitung der Datenrechte waren zum einen Bestrebungen im Rahmen des Techno-Ökologismus und der Ding-Kulturen-Diskurse, z. B. Flüssen eigene Rechte zu verleihen, über die allerdings Menschen sprechen und bestimmen. Gleichberechtigung aber tritt solange nicht ein, wie menschliche Agierende Dinge repräsentieren wollen, statt einen übergeordneten Handlungsrahmen abzustecken. Zum anderen galt es sich von einer Renaissance indigener Kosmologien (Helmut Höge, Für das Nebeneinander verschiedener Weltbilder, taz, Printarchiv, 12.12.2011) abzusetzen, die, wie bereits angeführt, im Zuge des Anthropozäns sowie der Ding- und Techno-Ökologie-Diskurse en vogue sind. Es ging aber nicht um Weltverbundenheit, sondern vielmehr um einen funktionalen Rahmen des Mit-Handelns.

Eigensinnige Website, Tim Niklas Kelterborn, Annika Lütje

Motto: Datenanwälte – Wir setzen uns für die Rechte Ihrer Daten ein und für eine transparentere Welt.

Eigensinnige Website Dokumentation (1,4 MB)

Das Internet ist ein konstitutiver Bestandteil digitaler Kulturen und als Netzwerk und Infrastruktur Grundlage für smarte Ding-Welten (Internet der Dinge) sowie für Fantasien zu Techno-Ökologie. Es ist zugleich aus der Sicht menschlicher Nutzer_innen ein unsicherer Ort, was sich etwa in Störungen oder Unterbrechungen von Datentransfers und Serverdiensten, im Diebstahl von Daten oder Passwörtern sowie in der Zirkulation von Viren manifestiert.

Im Projekt wurde nun von dieser Sicht menschlicher Nutzer_innen auf die Perspektive der Daten als Objekte umgeschaltet. Mit Bezug auf die Datenrechte würde deren Recht auf freie Beweglichkeit oder Versammlungsfreiheit nicht nur durch Störungen in der Infrastruktur, sondern auch durch Handlungen menschlicher Nutzer_innen in höchstem Maße eingeschränkt. Dies kommt etwa durch Virenschutzprogramme, Passworte, Firewalls oder Verschlüsselungsprogramme zustande. Zu den unangemessenen Einschränkungen würden auch das Abgreifen und Auswerten von Daten aus ökonomischen Interessen zählen, wie z. B. beim Profiling durch Internetfirmen oder soziale Netzwerke. Mercedes Bunz macht deutlich, inwiefern und aus welchen Gründen dieser Zugriff auf Daten und Dinge statthat:

„Vielmehr bleibt der Hersteller (oder auch andere Dritte, wie Regierungen) dauerhaft mit dem technischen Ding verbunden, weshalb die vernetzten Objekte nicht nur im Interesse des Nutzers funktionieren, sondern multiple Interessen gleichzeitig verarbeiten.“

Mercedes Bunz, „Die Dinge tragen keine Schuld“, in: Christoph Engemann, Florian Sprenger (Hg.), Internet der Dinge. Über smarte Objekte, intelligente Umgebungen und die technische Durchdringung der Welt. Transcript, Bielefeld 2015, S. 163–180, hier: S. 179

Es stand mithin für das Projekt in Frage, wie ein von den Hemmnissen der menschlichen Agierenden befreites Internet aussehen und in ein „Internet der Daten“ transformiert werden kann.

Um zu einer Lösung zu kommen, galt es zunächst, Anthropomorphisierungen auszuschließen und auf die Operationsebene von Daten und deren Steuerung durch Algorithmen vorzudringen. Daten agieren nach Vorschriften und Übersetzungen bzw. nach Kopplungsregeln, folgen dabei weder Emotionen noch Affekten. Als spezifische Operationsweise von Daten wurde eine Ebene „technischer Vernunft“ digitaler Objekte ausgemacht. Diese beschreibt Yuk Hui: „[…] sie erlauben es den intelligenten ‚Agenten’, Beziehungen für uns automatisch zu analysieren und herzustellen.“ (Yuk Hui, Induktion, Deduktion und Transduktion, in: Zeitschrift für Medienwissenschaft, Heft 8, 2013, S. 101–115, hier S. 104, hier). Das Operieren der Daten nach ihren Rechten würde also da jenseits des Anthropologischen ansetzen, wo es um den Aufbau von Relationen und Vernetzungen geht. Auf dieser Ebene entstehen dann auch Kooperationen mit menschlichen Agierender, so noch einmal Yuk Hui:

„Man kann ein Objekt auf Facebook, zum Beispiel ein Profil, oder sogar auch nur ein Profilbild betrachten, seine Interaktion mit anderen Objekten innerhalb jenes Milieus, das mir diesen ‚Freund’ präsentiert, während es zugleich der Kontrolle unterworfen ist, handelt es sich doch auch um ein Datenobjekt. Die Erscheinungsweise dieses ‚Freundes’ basiert zudem auf einer bestimmten Anzahl von Klicks, den Beziehungen zu anderen Freund/innen im Netzwerk, Gewohnheiten und so fort (es handelt sich hier um rein maschinelle Kalkulationen); […]“

Yuk Hui, Induktion, Deduktion und Transduktion, in: Zeitschrift für Medienwissenschaft, Heft 8, 2013, S. 101–115, hier S. 114, e-text.diaphanes.net

Wendy Chun führt einen weiteren, für Datenrechte bzw. die Existenz von Datenobjekten relevanten Aspekt aus, nämlich die Tatsache, dass Fehler integraler Bestandteil von Daten-Ding-Welten sind. Sie schreibt:

Algorithms need mistakes—deviations from expected or already known results—in order to learn. Singular events or crises are thus not exceptions, but rather opportunities to improve: they feed the algorithm. Deviations are encouraged, rather than discouraged; deviant decoding makes better encoding possible. Constant participation grounds surveillance.”

Wendy Hui Kyong Chun, “Big Data as Drama”, in: ELH 83(2), S. 363–382, hier S. 367, Baltimore: Johns Hopkins University Press, repository.library.brown.edu

Eine auf Dauer gestellte Datenabgabe würde mithin Daten und Algorithmen ihrer Konstitution gemäß unterstützen.

Vor diesem Hintergrund wurde nun im Projekt eine Website im Internet entwickelt, die unter Berücksichtigung von Datenrechten und Datenoperationen gestaltet war. Die Nutzer_innen wurden aufgefordert, ein Maximum an Daten, gerne auch private Daten abzugeben, um sich von einer Seite zur nächsten vorarbeiten zu können. Die Nutzer_innen wurden derart in hohem Maße herausgefordert, da bis dato für das Navigieren im Internet gilt, dass persönliche Daten nur mit Bedacht preisgegeben werden sollten. Denn hinter etwaigen Aufforderungen zur Abgabe von Daten könnten auch eine kriminelle Aktion oder ökonomische Interessen kapitalistischer Player stehen. Es galt mithin, die Besucher_innen dabei zu unterstützen, alte Verhaltenweisen zu verlernen. Dies zu tun, wurde die Station zum einen als geschützter Raum gestaltet und der Laptop, auf dem sich die präparierte Site befand, in einem abgeschirmten Raum aufgestellt. Anreiz dafür, durch die präparierten Webseiten durch die Abgabe persönlicher Daten zu navigieren war zum anderen, dass nur so die Geschichte einer 17-jährigen Schwangeren in den USA verfolgt werden konnte. Ihr Vater hatte vom Discountergroßhändler Target Rabattgutscheine für Babyartikel zugeschickt bekommen. Das Profiling der Jugendlichen während ihrer Internetrecherchen führte zur Entdeckung der Schwangerschaft in der Familie. In der Installation wurde diese Geschichte affirmativ als Nachweis dafür gepriesen, dass und wie der freie Umgang mit Daten positiv in den Alltag der menschlichen Agierenden hineinwirkt.

Es stellt sich die Frage, ob aus den Erfahrungen der Eulenspiegelei mit Datenrechten Strategien für den Umgang mit dem real-existierenden Regime von Big Data und Daten-Ökonomien entwickelt werden können. So könnte es sein, dass ein Internet der integrierten Datenrechte auch ein Experimentierfeld für eine Entkapitalisierung sein dürfte, da sowohl menschliche Agierende als auch Daten ein Interesse daran haben, sich aus der Instrumentalisierung der Daten zu befreien. Sobald die Operationen der „großen Player“ unterminiert sind, könnte vielleicht auch ein freier Transfer der Daten möglich sein. Einen zweiten Bezug zur Auseinandersetzung mit dieser Frage geben die Analysen (Wendy Hui Kyong Chun, “Big Data as Drama”, in: ELH 83(2), 363-382. The Johns Hopkins University Press) von Wendy Chun. Die bis dato veranschlagten Maßnahmen des Widerstandes und der Intervention wie Anonymität oder Privatheit und Geheimhaltung hätten sich als wirkungslos erwiesen, da die suchenden und auswertenden Algorithmen schneller arbeiten und die Strategien des Verbergens unterlaufen. Zudem lässt sich mit Anonymität keine Öffentlichkeit schaffen. Am Beispiel der Bewegung DREAM Act, mit der den Kindern illegaler Einwanderer durch einen Collegebesuch die Einbürgerung ermöglicht werden sollte, wird deutlich, dass gerade das Öffentlichmachen des eigenen Status in Videoclips auf YouTube als Intervention gegen die Abdrängung in die Illegalität erfolgreich war. Denn auf diese Weise entstand erst eine kritische Masse, die nicht mehr zu ignorieren war. Dieses Sichtbarwerden ermöglichte es, dass der Gesetzesentwurf zu erleichterten Einbürgerung 2010 im US-amerikanischen Senat eingegeben wurde. Auch wenn er nicht genügend Stimmen erhielt, so hat die Aktion doch eine Methode der Intervention sowie öffentliche Aufmerksamkeit für ein akutes Thema geschaffen. Ähnlich ließe sich aus der Eulenspiegelei zur Anerkennung der Datenrechte im Internet eine Art des Widerstandes ableiten. In der Affirmation entsteht eine Dauerabgabe von Daten, durch die die Algorithmen trainiert, aber zugleich durch ein Theaterspiel mit den „großen Playern“ irritiert werden. Man gibt preis, um zu verbergen.

Am Ende der Navigation durch die Internetseiten der Installation konnten Nutzer_innen wählen, ob sie noch einmal eine Schleife durch das Training zur totalen Datentransparenz absolvieren oder lieber das Internet abschalten wollten.

WhatsApp-Max, Clemens Hagemaxx

Motto: Wir sind WhatsApp. Just one more text.

In diesem Projekt wurde angenommen, dass eine der möglichen Auswirkungen für menschliche Agierende von medialer Kommunikation in einer Welt der gleichberechtigten Dinge und Daten sein kann, dass jene an die Stelle einer Face-to-Face-Kommunikation tritt. Es könnte, im Vergleich zu bisher tradierten Vorstellungen von Kommunikation, ein gleichsam re-organisierter Mensch entstehen, der nur noch über den Messengerdienst WhatsApp operiert.

Der menschliche Agierende war in einer Sitzecke platziert und trug ein weißes T-Shirt, auf dem zur Kontaktaufnahme eine mobile Telefonnummer stand. Die anderen Performer_innen der Ausstellung traten über den Messengerdienst in einen intensiven Kontakt mit dem WhatsApp-Max. Teils saßen sie gemeinsam mit ihm in der Sitzecke, um ihm aus nächster Nähe Texte zu senden, teils agierten sie aus der Ferne. Die „Messages“ wurden an die Wand projiziert, so dass sie im Sinne der Datentransparenz für alle Besucher_innen sichtbar waren. Die Atmosphäre in der Sitzecke war sehr entspannt und heimelig.

Es ging in dieser Installation nicht darum, kulturkritisch einer verloren gehenden Live-Kommunikation hinterher zu trauern. Vielmehr galt es, die Möglichkeiten der Re-Organisation von Kommunikation zu erkunden. Dabei sahen die menschlichen Agierenden durchaus zufrieden aus.

The Dawn of Man, Performance, Constantin Sinn

Bei dem Projekt handelte es sich um eine konzeptkünstlerische Performance, die am Ende der Ausstellung aufgeführt wurde.

Constantin Sinn: Die Performance war an Stanley Kubricks Film „2001: Odyssee im Weltraum“ angelehnt und spielte dessen Anfangsszene in variierter Form nach. Der mit einer Affenmaske und einem Affenkostüm bekleidete Performer sowie Laub, Holz und Steine stellten eine Analogie zur Szenerie des Films her. Zugleich fungierte die Affenmaske auch als symbolisches Mittel für einen imaginierten Urzustand des Menschen, sein subjektives Bewusstsein und die Verbindung von Denken und Handeln, wie sie André Leroi-Gourhan in „Hand und Wort“ (PDF) beschreibt. Das Affengesicht wurde in Relation zu einem Stein und einem iPhone gesetzt. Das iPhone substituierte den Kubrickschen Monolithen und konkretisierte damit die technologische Bedingung, innerhalb derer die Performance nach der Neubestimmung von menschlichem Subjekt und technischem Ding fragte. Zu diesem Thema wurde eine Audioinstallation mit Vilém Flussers Antrittsvorlesung (Vilém Flusser, Bochumer Vorlesungen I, Mai/Juni 1991, Session vor dem Stiftungsrat, Flusser-Archiv) an der Universität Bochum abgespielt, in der auf dieses Anfangsmoment der Menschwerdung Bezug genommen wird. Flusser imaginiert dabei die Situation der objektiv bedingten Subjektwerdung des Affen.

Die Zuschauer_innen waren am Ende der Performance sichtlich erschüttert und statteten dem zerstörten iPhone einen Besuch ab. Ob der Affe nun als Befreier der mit dem technischen Dingen gleichgesetzten Menschheit oder als Un-Mensch zu sehen ist, bleibt offen.

Fazit

Wenn es stimmt, dass Methoden, Materielles, Kulturtechniken und Medien die Lage bestimmen und Menschen und Kultur mit erzeugen, dann könnte umgekehrt gerade ein konsequent durchgespieltes Probe-Leben z. B. mit versehrten Dinge und Datenrechten völlig andere Kulturen erzeugen. Ein Leben mit versehrten Dingen würde nämlich zwei Dinge ermöglichen. Zum einen geht es um die Analyse der bestehenden Kultur bzw. Diskurslandschaften, indem diese über-affirmiert werden und so ihre Schwachstellen deutlich zutage treten. Zum anderen aber öffnen die vom alltäglichen Habitus abweichenden Verhaltensweisen das Denken und lassen im Praktischen andere Möglichkeiten des Bildens digitaler Kulturen aufscheinen. Zu bedenken wäre natürlich, dass es nicht um ein mechanistisches Modell in dem Sinne gehen kann, dass eine bestimmte Konstellation eine im Voraus erdachte Kultur erzeugen würde. Denn menschliche Agierende und technologische Entwicklungen sind weder plan- noch verstehbar oder berechenbar. Kulturen sind immer vor allem eines: unhintergehbar kontingent.

Über uns

Re-thinking methods: Experiments&Interventions als Methode eines kontinuierlichen und diskursanalytischen Überdenkens und Umdenkens von Bedingungen und Perspektiven digitaler Kulturen und ihrer Erforschung. Mehr dazu auf der Seite Über uns...

Das DCRL ist Teil des Centre for Digital Cultures (CDC) an der Leuphana Universität Lüneburg.

Kontakthof 2.0

Das Theaterprojekt „Kontakthof 2.0. Living in digital cultures“ wurde für die Verabschiedung des Innovations-Inkubators, Bereich Digitale Medien der Leuphana Universität Lüneburg erarbeitet, ein von 2009 bis 2015 von der EU gefördertes Projekt zur regionalen Entwicklung. Die Aufführung fand am 24.6.2015 im Rahmen der Abschlussveranstaltung des Inkubators an der Universität in einem Seminarsaal statt. Das Stück wurde in einem Seminar mit Studierenden zum Thema „TheorieTheater“ entwickelt. Eine ausführliche Projektdokumentation sowie den dazugehörigen Mitschnitt finden sie auf der Unterseite “Kontakthof 2.0. Embodiment of Remix und TheorieTheater“.