Digitale Kulturen in Petrischalen (Berz, Durham-Peters, Halpern, Kaldrack)

— Konstellation von Martina Leeker, Juli 2015

In einigen Interviews wird der Begriff der „Kulturen“ als ein Milieu aufgefasst, wie man es in Petrischalen anlegen und finden könnte. Damit werden digitale Kulturen als Umwelten eingespielt und mikro-ökologische und mikro-politische Dimensionen bewusst gemacht. Orit Halpern verweist auf die Unhintergehbarkeit von Infrastrukturen. John Durham-Peters verdeutlich das ökologische Eingelassensein in digitalen Milieus und erweitert damit deren Forschungsgebiet um Umwelten wie Meere oder die Systembildung mikrobiologischer Organismen. Auch Peter Berz zielt auf diese Ebene und bezieht sich auf den medialen Verbund von digitalen Medien und Mikrobiologie. So wäre etwa die Frage, ob Bakterien Plastik fressen oder als organische Halbleiter Silizium bilden könnten richtungsweisend für digitale Kulturen. Denn, so Berz, wir würden in einer mineralischen Kultur leben und der Status des „In silico“ mithin deren geologische Bezugsrahmen, an dem die technischen Dinge als Siliziumhaltige in Sinne einer Geo-Ökologie und Geo-Macht Teil haben. Damit stehe der Mensch zwar auf Grund seines eigenen Stoffwechsels außerhalb der Geo-Ökologie des Siliziums, wäre aber gleichwohl in diese eingebunden, weil er Welt nur noch durch Silizium wahrnehmen könne. Unser Stoffwechsel bediene mithin eine Welt aus Silizium, womit sich diese Welt mit den von Orit Halpern in smart cities untersuchten Infrastrukturen verschaltet. Irina Kaldrack schließlich spitzt als synthetische Biologin Arini Lackdark  die Verschmelzung von biologischen Kulturen und dem Digitalen als Gedankenexperiment zu. Demnach sind digitale Kulturen in Petri-Netzen angesetzte Digits, die in ihrer Entwicklung beobachtet werden.

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Über uns

Re-thinking methods: Experiments&Interventions als Methode eines kontinuierlichen und diskursanalytischen Überdenkens und Umdenkens von Bedingungen und Perspektiven digitaler Kulturen und ihrer Erforschung. Mehr dazu auf der Seite Über uns...

Das DCRL ist Teil des Centre for Digital Cultures (CDC) an der Leuphana Universität Lüneburg.

Kontakthof 2.0

Das Theaterprojekt „Kontakthof 2.0. Living in digital cultures“ wurde für die Verabschiedung des Innovations-Inkubators, Bereich Digitale Medien der Leuphana Universität Lüneburg erarbeitet, ein von 2009 bis 2015 von der EU gefördertes Projekt zur regionalen Entwicklung. Die Aufführung fand am 24.6.2015 im Rahmen der Abschlussveranstaltung des Inkubators an der Universität in einem Seminarsaal statt. Das Stück wurde in einem Seminar mit Studierenden zum Thema „TheorieTheater“ entwickelt. Eine ausführliche Projektdokumentation sowie den dazugehörigen Mitschnitt finden sie auf der Unterseite “Kontakthof 2.0. Embodiment of Remix und TheorieTheater“.