Die Kunst des In-Frage-Stellens (Caygill, Mirowski, Röller, Vagt)

— Konstellation von Martina Leeker, Juli 2015

In der Interview-Serie „Questions“ werden jeweils die gleichen vier Fragen zu digitalen Kulturen gestellt. Welche heuristischen und erkenntniskritischen Potenziale es hat, die Fragen selbst in Frage zu stellen, zeigen exemplarisch die Interviews von Howard Caygill, Philip Mirowski, Nils Röller und Christina Vagt. Sie markieren zugleich verschiedene Ansätze, Ausgangspunkte und Methoden des In-Frage-Stellens. Howard Caygill etwa hinterfragt die Fragen, erkundet, was mit den vorgegebenen, undefinierten Begrifflichkeiten gemeint sein könnte, markiert mögliche Antworten je nach Auslegung der Begriffe, entscheidet sich dann für eine und skizziert eine Antwort. Damit löst er zum einen eine Reflexion der Interviews als Beispiel für die Bedingtheit akademischer Forschung aus, die sich erst aus Fragestellungen und mit ihnen aufkommenden Methoden konfiguriert. Zum anderen regt er die Rezipierenden durch seine Fragen und Abwägungen dazu an, eigene Fragen und Positionierungen zu entwickeln. Schließlich macht er durch das Aufzeigen möglicher Einkreisungen und deren Konsequenzen seine eigene Position nachvollziehbar. Ganz ähnlich erkundet auch Christina Vagt zunächst die Fragen und zeigt mögliche Ansätze, Methoden und Effekte auf, sich ihnen zu nähern. Sie entscheidet sich schließlich für einen Zugang aus der Erforschung von Kulturtechniken, mit denen Prozesse, Operationen und Praktiken vor technischen oder transzendentalen Bestimmungen digitaler Kulturen in den Vordergrund rücken. Philip Mirowski zeigt einen anderen Weg auf, mit den Fragen umzugehen. Er deutet zu Beginn die Frage nach digitalen Kulturen zu einer nach deren Ökonomie um und folgt dann dieser Disziplinierung. Nils Röller schließlich bearbeitet die Fragen dezidiert nach einer medienwissenschaftlichen und wissensgeschichtlichen Perspektive und Methodologie. Damit wendet er ein diskursanalytisches Vorgehen als Kunst des In-Frage-Stellens an, z. B. der Epistemologie digitaler Kulturen in einem Regime des Korrekt-Seins sowie der technologischen Bedingtheit von Selbstverständnissen des Menschen.

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Über uns

Re-thinking methods: Experiments&Interventions als Methode eines kontinuierlichen und diskursanalytischen Überdenkens und Umdenkens von Bedingungen und Perspektiven digitaler Kulturen und ihrer Erforschung. Mehr dazu auf der Seite Über uns...

Das DCRL ist Teil des Centre for Digital Cultures (CDC) an der Leuphana Universität Lüneburg.

Kontakthof 2.0

Das Theaterprojekt „Kontakthof 2.0. Living in digital cultures“ wurde für die Verabschiedung des Innovations-Inkubators, Bereich Digitale Medien der Leuphana Universität Lüneburg erarbeitet, ein von 2009 bis 2015 von der EU gefördertes Projekt zur regionalen Entwicklung. Die Aufführung fand am 24.6.2015 im Rahmen der Abschlussveranstaltung des Inkubators an der Universität in einem Seminarsaal statt. Das Stück wurde in einem Seminar mit Studierenden zum Thema „TheorieTheater“ entwickelt. Eine ausführliche Projektdokumentation sowie den dazugehörigen Mitschnitt finden sie auf der Unterseite “Kontakthof 2.0. Embodiment of Remix und TheorieTheater“.