Organisationen

— Martina Leeker, November 2014

Im Bereich “Organisationen” von Re-thinking methods des DCRL werden Experiments& Interventions in Organisationen (etwa Betriebe, Unternehmen oder Institutionen) sowie in Organisation als Vorgang und Weise der Ordnung und Verwaltung von Welt vorgestellt und analysiert. Ziel ist es, solche Methoden der Erforschung von Organisationen und Organisieren zu entwickeln, die es ob ihrer Konstitution erlauben, dass sie selbst in die aktuellen neoliberalen Kontexte intervenieren und andere Formen von Organisation befördern. Inspiration für diese Recherche und ihre Methoden ist die Forschung des Organisationswissenschaftlers Timon Beyes an der Copenhagen Business School (CBS) im Department of Management, Politics and Philosophy. Er ist zudem Senior-Researcher am DCRL und Mit-Begründer des Centre for Digital Cultures (CDC).

Timon Beyes hat darauf aufmerksam gemacht, dass eine Fokussierung auf Ästhetisches in der Organisationsforschung eine Annäherung an dieses Ziel ermöglicht. Diese ist (1) nötig, da ästhetische Aspekte Organisationen und Organisieren konstituieren. Zudem können (2) ästhetische Verfahrensweisen zu deren Untersuchung sowie zu ihrer Veränderung genutzt werden. Probate Methoden in Theorie und Praxis böten die Performance Studies. Denn zum einen würden sie es erlauben, erst auf Faktoren wie Affekte, Emotionen, Inszenierungen oder Körperlichkeit bei der Analyse der Konstitution von Organisationen sowie des Organisierens zu achten. Zum anderen könnte die unhintergehbare Diskrepanz von Sinnlichem und Sinn und damit die Erkenntnis in die Vielheit und Vielschichtigkeit von Phänomenen sowie die grundlegende Veränderbarkeit von Ordnungen aktiviert werden. Mit diesem Zugang können also Organisieren und Organisationen anders gedacht und gemacht werden, denn, so Timon Beyes: “Art, then, is being granted a power comparable to that of politics, namely, reframing and expanding what can be perceived and reconfiguring what is thinkable” (hier, S.37). Um ästhetisches Analysieren und Tun in Organisationsforschung einbringen zu können, müssen allerdings zunächst deren Verwicklung mit dem aktuellen Diskurs zum “Regime der Kreativität” (PDF) geklärt sowie eine Differenzierung zu künstlerischer Forschung (PDF) und “Kunst in Unternehmen” (PDF) vorgenommen werden. Schließlich ist (3) für die ästhetische Forschung zu spezifizieren, wie technologische Bedingungen digitaler Kulturen Organisationen und Organisieren konstituieren und wie mit ihnen umgegangen werden kann. Sie entfalten nämlich ein algorithmisches Regime, das nicht in allen Dimensionen abbildbar, geschweige denn kontrollierbar ist. In Frage steht mithin, wie Organisation in technologischen Bedingungen untersucht und wie in sie interveniert werden könnte.

Zu den Projekten in diesem Bereich gehört die Analyse und Dokumentation eines “Theorie-Theaters” von Martina Leeker. In “John Gabriel Borkman und andere Anti-/Helden_innen. Eine spielerische Reflexion, sehr frei nach Ibsen, Bataille, Reckwitz und Bröckling” (November 2014, Hamburg) wird die Organisation neoliberaler Beziehungen und Arbeitsformen mit performativen Mitteln befragt. Dazu werden Spielszenen aus “John Gabriel Borkman” von Henrik Ibsen (1896), die körperlich, absurd und choreografisch sind, mit theoretischen Texten zur Lage des neoliberalen Kapitalismus gespiegelt. Im Projekt Talking Organisation (ab Sommer 2015) wird z. B. Timon Beyes über Möglichkeiten berichten, wie geisteswissenschaftliche Reflexionen mit dem Ziel einer anti-kapitalistischen Aufklärung in die Managementausbildung integriert werden können. Nina Wakeford wird über ihr Projekt mit der Firma Intel berichten. In diesem ging es zum einen um die Frage, wie Forschung in Organisationen dokumentiert werden kann. Zum anderen wurde erprobt, wie die Forschung selbst schon Teil einer Reflexion von Organisation sein und zu deren Veränderung führen kann.

Organisation und Ästhetik mit Jacques Rancière

Exzesse des Faktischen durch Performance Studies

Eben nicht Kunst in Unternehmen, oder künstlerische Forschung

Performing Organisation im Regime des Kreativen (Reckwitz)

Kritik des Kreativitätsregimes

Organisation in digitalen Kulturen

Neoliberale Kreativität als Diskurs

Parole: Karnevalesk

Über uns

Re-thinking methods: Experiments&Interventions als Methode eines kontinuierlichen und diskursanalytischen Überdenkens und Umdenkens von Bedingungen und Perspektiven digitaler Kulturen und ihrer Erforschung. Mehr dazu auf der Seite Über uns...

Das DCRL ist Teil des Centre for Digital Cultures (CDC) an der Leuphana Universität Lüneburg.

Kontakthof 2.0

Das Theaterprojekt „Kontakthof 2.0. Living in digital cultures“ wurde für die Verabschiedung des Innovations-Inkubators, Bereich Digitale Medien der Leuphana Universität Lüneburg erarbeitet, ein von 2009 bis 2015 von der EU gefördertes Projekt zur regionalen Entwicklung. Die Aufführung fand am 24.6.2015 im Rahmen der Abschlussveranstaltung des Inkubators an der Universität in einem Seminarsaal statt. Das Stück wurde in einem Seminar mit Studierenden zum Thema „TheorieTheater“ entwickelt. Eine ausführliche Projektdokumentation sowie den dazugehörigen Mitschnitt finden sie auf der Unterseite “Kontakthof 2.0. Embodiment of Remix und TheorieTheater“.