Borkmans Methoden des neoliberalen Widerstands

– Martina Leeker, März 2015

Wollte man Borkmans Methoden des Widerstands zusammenfassen, so ließen sich tendenziell äußerst destruktive Vorgehensweisen und Performances anführen. Es gälte, im Symbolischen zu agieren, an Vergangenem festzuhalten, Faszination zu favorisieren und schließlich den Tod als Horizont zu antizipieren.

Würden die Figur der Verweigerung von realer Akkumulation und Distribution mit der Suspendierung von Selbstsorge zusammengedacht, dann scheint in Borkmans Fantasien gar eine Vision des Sozialen auf, mit der sich das Individuum neoliberaler Prekarisierung entzöge. Diese Prekarisierung beruhe nämlich darauf, dass man das Soziale nicht mehr denken könne, wie Isabell Lorey beschreibt.

“In der neoliberalen Dynamik gouvernementaler Prekarisierung wird gerade durch die Angst, existenzieller Verletzbarkeit ausgeliefert zu sein, die Illusion der individuellen Sicherung aufrecht erhalten. Durch den permanenten Wettlauf um die erhoffte bessere Sicherung des eigenen Lebens und jene des sozialen Nahbereichs gegenüber konkurrierenden Anderen wird ausgeblendet, dass ein nachhaltig besseres Leben keine individuelle Angelegenheit sein kann. In den gouvernementalen Subjektivierungen werden die Anforderungen eines präventiven, individualistischen Selbstschutzes, dieser Selbst-Immunisierung in der Prekarisierung allerdings eher affirmiert als infrage gestellt. Soziale Praxen, die sich nicht allein auf das Selbst und das Eigene richten, sondern das Zusammenleben und das gemeinsame politische Handeln im Blick haben, treten mehr und mehr in den Hintergrund und werden als gelebte Realität immer unvorstellbarer.”

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Im Ansinnen, ein “Reich” für Tausende zu schaffen, erinnert Borkman dagegen an ein soziales Gebilde, auch wenn er selbst dabei als grandioses, a-soziales Sozialwesen fungiert, das in einer Ökonomie der unproduktiven Verschwendung und Verausgabung sowie im Scheitern eine soziale Ordnung schafft.

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Kontakthof 2.0

Das Theaterprojekt „Kontakthof 2.0. Living in digital cultures“ wurde für die Verabschiedung des Innovations-Inkubators, Bereich Digitale Medien der Leuphana Universität Lüneburg erarbeitet, ein von 2009 bis 2015 von der EU gefördertes Projekt zur regionalen Entwicklung. Die Aufführung fand am 24.6.2015 im Rahmen der Abschlussveranstaltung des Inkubators an der Universität in einem Seminarsaal statt. Das Stück wurde in einem Seminar mit Studierenden zum Thema „TheorieTheater“ entwickelt. Eine ausführliche Projektdokumentation sowie den dazugehörigen Mitschnitt finden sie auf der Unterseite “Kontakthof 2.0. Embodiment of Remix und TheorieTheater“.