Performativität zwischen Diskurs und Praxis

– Martina Leeker, März 2015

Was in den 1960er Jahren mit einer Entfesselung technischer Dinge in Performances mit ihnen begann, setzt sich, so die These, seit den 2000er Jahren im Spiel mit Theorie in Performances fort. Wenn Interesse an der Verbindung von Theater und Theorie unter besonderer Berücksichtigung der Performativierung einsetzt, dann bedeutet dies, so die These, eine Anpassung der Vorstellungen von Wissen und Wissenschaft an die sich fortsetzende kybernetische Wende. Die Fokussierung auf Theorie und die Generierung von Wissen könnte z. B. mit der Kooperation von Wissenschaft und über Computer geregelte Simulationen (Claus Pias 2011, Sybille Krämer 2009 [PDF]) zusammenhängen, mit denen Wissen zu operativen Berechnungen und damit prekär und nicht mehr in Gänze nachvollziehbar wird.

Das Verhältnis von Theater und Theorie ist mithin kein Gegebenes, sondern ein über die Umdeutung von Performativität unter technologischen Bedingungen diskursiv erzeugtes. Soll die Verbindung von Theater und Theorie nun als Methode der Forschung und Reflexion sowie der Wissenserzeugung eingesetzt werden, dann ist diese diskurs- und technikgeschichtliche Situation zu bedenken, um nicht Teil der Kompensationsleistungen zu werden. Das Unternehmen steht vor der schwierigen Situation, dass diskursiv erzeugte produktive Potenzial der Aus- und Aufführung von Theorie zu erproben, ohne dessen gouvernementalen Effekten anheim zu fallen. Zugleich ist davon auszugehen, dass das Performative als eine Art Supermedium, nämlich der Verkörperung sowie des Gebrauchs anderer Medien, eine eigene Wirkung hat, die jenseits der diskursiven Ausformungen besteht. Die produktiven Aspekte des Performativen liegen, wie auch die Inszenierung von „John Gabriel Borkman und andere anti-kapitalistische Held_innen“ deutlich machte, in der Verkörperung von Theorien, in der sich neue und unerwartete theoretische Erkenntnisse zeigten, sowie in der Unabgeschlossenheit von Wissen, das sich durch die Zeitlichkeit des Auf- und Ausführens ergibt. Mit diesem wird Wissen als instabil gekennzeichnet und als Veränderbares ausgewiesen und soll schließlich dauerhaft von parasitären Besiedelungen bedroht sein. Zum anderen wird es ein vom Parasitären durchsetztes Darstellen konstituierten.

Über uns

Re-thinking methods: Experiments&Interventions als Methode eines kontinuierlichen und diskursanalytischen Überdenkens und Umdenkens von Bedingungen und Perspektiven digitaler Kulturen und ihrer Erforschung. Mehr dazu auf der Seite Über uns...

Das DCRL ist Teil des Centre for Digital Cultures (CDC) an der Leuphana Universität Lüneburg.

Kontakthof 2.0

Das Theaterprojekt „Kontakthof 2.0. Living in digital cultures“ wurde für die Verabschiedung des Innovations-Inkubators, Bereich Digitale Medien der Leuphana Universität Lüneburg erarbeitet, ein von 2009 bis 2015 von der EU gefördertes Projekt zur regionalen Entwicklung. Die Aufführung fand am 24.6.2015 im Rahmen der Abschlussveranstaltung des Inkubators an der Universität in einem Seminarsaal statt. Das Stück wurde in einem Seminar mit Studierenden zum Thema „TheorieTheater“ entwickelt. Eine ausführliche Projektdokumentation sowie den dazugehörigen Mitschnitt finden sie auf der Unterseite “Kontakthof 2.0. Embodiment of Remix und TheorieTheater“.