Theater – Theorie – Text

Subjekt kommt – Subjekt geht

– Martina Leeker, März 2015

Eine entsprechende Thesenbildung geht vom Topos des Theaters als Kulturtechnik für das Performen von Medien aus. In diesem Kontext könnte nun die Performativierung des Performativen seit den 1990er Jahren von besonderem Interesse sein. Denn diese erscheint als zeitgenössische Strategie mit einer medialen Lage umzugehen, die sich vor allem aus dem Verlust von Kontrolle technischer Umwelten sowie von anthropologischer Relevanz in diesen konstituiert. In der Antike nahmen es die Schauspieler auf sich, so nach Svenbro, zum Medium des Autors zu werden und diesen zugleich zum Schweigen zu bringen. Peter Geble schreibt:

[…] der Leser wurde als Sprachrohr des Schreibers, als Garant seines Nachruhms und damit als eine ebenso umworbene wie verachtete Gestalt angesehen. Dieses heute einigermaßen befremdende Verständnis der Schreiber-Leser-Beziehung orientierte sich in aller Drastik – so Svenbros These – an der päderastischen Beziehung, der Knabenliebe: mit allen nur denkbaren Mitteln der Verführung und Überwältigung mußte der Leser dazu gebracht werden, das Geschriebene zu ‘vokalisieren’. Erst die Erfahrung des tragischen Agons, von Stücken also, die von Schauspielern vor schweigenden Zuschauern vorgetragen wurden, scheint dann das stille Lesen, die Verinnerlichung der Stimme und damit eine erste Distanzierung ermöglicht zu haben.

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Derzeit setzen sich die Spieler_innen dagegen unklaren Rollen- und Sinnverhältnissen aus, verlieren Identitäten, Zuständigkeiten von Speziesgrenzen und Subjekthaftigkeit. Sie sprechen zudem, so im Theater mit Theorie, fremde Denk- statt Figurentexte aus und reden erst gar nicht mehr miteinander. Sie könnten, so die These, in Tradierung er antiken Stellvertretung die mediale Überwältigung auf sich nehmen, um endlich das vom stillen Lesen erfundene Subjekt (Derrick de Kerckhove 1995) zu überwinden und einer unter vielen Akteuren zu werden (Wolfgang Ernst 2009). Die Performativierung des Performativen sowie das Theater mit Theorie hätten mithin einen entscheidenden Anteil an einer digitalen Kultur, die sich nicht mehr für Menschen, sondern vor allem für Daten interessiert und die im Neoliberalen selbst beherrschen.

Über uns

Re-thinking methods: Experiments&Interventions als Methode eines kontinuierlichen und diskursanalytischen Überdenkens und Umdenkens von Bedingungen und Perspektiven digitaler Kulturen und ihrer Erforschung. Mehr dazu auf der Seite Über uns...

Das DCRL ist Teil des Centre for Digital Cultures (CDC) an der Leuphana Universität Lüneburg.

Kontakthof 2.0

Das Theaterprojekt „Kontakthof 2.0. Living in digital cultures“ wurde für die Verabschiedung des Innovations-Inkubators, Bereich Digitale Medien der Leuphana Universität Lüneburg erarbeitet, ein von 2009 bis 2015 von der EU gefördertes Projekt zur regionalen Entwicklung. Die Aufführung fand am 24.6.2015 im Rahmen der Abschlussveranstaltung des Inkubators an der Universität in einem Seminarsaal statt. Das Stück wurde in einem Seminar mit Studierenden zum Thema „TheorieTheater“ entwickelt. Eine ausführliche Projektdokumentation sowie den dazugehörigen Mitschnitt finden sie auf der Unterseite “Kontakthof 2.0. Embodiment of Remix und TheorieTheater“.