Alltag in Infrastrukturen

— Martina Leeker, September 2016

Smart houses stehen somit für zwei Aspekte, die digitale Kulturen konstituieren. Erstens erhalten Medien in den durch Infrastrukturen gekennzeichneten digitalen Kulturen einen neuen Status. Denn sie haben sich in technische Umwelten aufgelöst, die allseits präsent sind (ubiquitous) und in alle Lebensbereiche eindringen (pervasive). In diesen technischen Umwelten und deren Infrastrukturen sind smarte Dinge (Florian Sprenger, Christoph Engemann (Hg.), Internet der Dinge. Über smarte Objekte, intelligente Umgebungen und die technische Durchdringung der Welt, transcript: Bielefeld 2015) anwesend, die mehr von uns zu wissen scheinen als wir selbst. Mit der Ubiquität geht zweitens einher, dass Medien zum Alltag geworden sind. Das heißt, sie sind so selbstverständlich und unerlässlich, dass sie nicht mehr ins Auge fallen; es sei denn sie funktionieren nicht einwandfrei oder sie gehen verloren. Sie sind also nicht mehr wegzudenken und integraler Bestandteil von Kultur und prägend für menschliche Verhaltensweisen. Mensch und Technologie können aus diesem Grund nicht mehr auseinanderdividiert werden. Sie sind vielmehr untrennbar miteinander verwoben und als ein Ensemble zu betrachten.

Alltäglichkeit und Ubiquität haben gravierende Konsequenzen. Dazu zählt u. a., dass sie es erschweren, eine kritische Distanz zu den technischen Umwelten zu entwickeln, geschweige denn sich jenseits der digitalen Erfassungen und Interaktionen zu begeben. Von besonderer Wichtigkeit ist es deshalb, die neuen Handlungsensembles auf die ihnen innewohnende Gouvernementalität hin zu analysieren.

Diese Lage sowie diese Problemstellung bildeten den Ausgangspunkt für den Workshop. Es galt, Subjektivität und Autonomie, Sinnstiftung sowie die Gouvernementalität von smarten Umgebungen durch performative Experimente zu erkunden und Strategien für Gegenmaßnahmen zu erproben.

Über uns

Re-thinking methods: Experiments&Interventions als Methode eines kontinuierlichen und diskursanalytischen Überdenkens und Umdenkens von Bedingungen und Perspektiven digitaler Kulturen und ihrer Erforschung. Mehr dazu auf der Seite Über uns...

Das DCRL ist Teil des Centre for Digital Cultures (CDC) an der Leuphana Universität Lüneburg.

Kontakthof 2.0

Das Theaterprojekt „Kontakthof 2.0. Living in digital cultures“ wurde für die Verabschiedung des Innovations-Inkubators, Bereich Digitale Medien der Leuphana Universität Lüneburg erarbeitet, ein von 2009 bis 2015 von der EU gefördertes Projekt zur regionalen Entwicklung. Die Aufführung fand am 24.6.2015 im Rahmen der Abschlussveranstaltung des Inkubators an der Universität in einem Seminarsaal statt. Das Stück wurde in einem Seminar mit Studierenden zum Thema „TheorieTheater“ entwickelt. Eine ausführliche Projektdokumentation sowie den dazugehörigen Mitschnitt finden sie auf der Unterseite “Kontakthof 2.0. Embodiment of Remix und TheorieTheater“.