Die Barbiepuppe in der Ritterakademie

— Martina Leeker, August 2015

Ausschnitt aus dem Grußwort des Präsidenten

Überreichung
der Barbie

Im Rahmen der Vorstellung wurde Igor Vamos eine Barbiepuppe mit kahlgeschorenem Kopf überreicht. Sie sollte den Bezug zum Ort herstellen, denn die Konferenz fand in der Ritterakademie der Stadt Lüneburg statt, in der zur gleichen Zeit der Prozess gegen den ehemaligen SS-Mann Oskar Gröning (93) abgehalten wurde. Der Bezug zum Ort sollte durch die präparierte Barbiepuppe hergestellt werden, da sie die Zurichtung von Opfern des Nationalsozialismus in Konzentrationslagern symbolisierte. Die Wahl fiel zudem auf eine Barbiepuppe, weil sie zugleich an eine Intervention von Igor Vamos von 1993 erinnerte, in der Barbiepuppen (MP3, Listen to the Barbie’s song) in einer Barbie-Liberation-Organization aus ihren genderspezifischen Gefängnissen befreit wurden, indem die Sprachboxen von Barbie und Soldat Joe ausgetauscht wurden. Dies geschah mitten im Weihnachtsgeschäft und so landeten „falsche“ Barbies auf Geschenktischen.

Zunächst war geplant, die Barbie bei der Vorstellung in der Hand zu halten und sie an deren Ende mit dem Hinweis auf den Ort Igor Vamos zu schenken. Da allerdings der Präsident der Universität, Prof. Dr. Sascha Spoun, in seiner Begrüßungsrede auf den Ort und den Prozess einging, wäre die geplante Überreichung geschmacklos gewesen, da das Symbol der historischen Situation nicht gerecht werden kann. Die Provokation, die ohne die Bezugnahme des Präsidenten im selbstbezüglichen System der Interventionen erschienen und in diesem legitimiert gewesen wäre, war nicht mehr denkbar, sobald das massenhafte Ermorden von Menschen mit direkten Worten auf den Plan gerufen worden war. Die Performerin beschloss in der entstandenen Lage, auf die Präsentation der Puppe während der Vorstellung zu verzichten. Während der Keynote von Igor Vamos entschied sie dann, ihm die Puppe vor der Moderation der an die Keynote anschließenden Diskussion als Lüneburger Gastgeschenk zu überreichen.

Igor Vamos nahm das Gastgeschenk dankend an und posierte mir ihr und der Performerin mediengerecht und ähnlich den Bildern von Politikertreffen oder Spendenfotos mit Stiftungsräten heftig in die Kameras und das World Wide Web lächelnd.

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Kontakthof 2.0

Das Theaterprojekt „Kontakthof 2.0. Living in digital cultures“ wurde für die Verabschiedung des Innovations-Inkubators, Bereich Digitale Medien der Leuphana Universität Lüneburg erarbeitet, ein von 2009 bis 2015 von der EU gefördertes Projekt zur regionalen Entwicklung. Die Aufführung fand am 24.6.2015 im Rahmen der Abschlussveranstaltung des Inkubators an der Universität in einem Seminarsaal statt. Das Stück wurde in einem Seminar mit Studierenden zum Thema „TheorieTheater“ entwickelt. Eine ausführliche Projektdokumentation sowie den dazugehörigen Mitschnitt finden sie auf der Unterseite “Kontakthof 2.0. Embodiment of Remix und TheorieTheater“.