Bhopal re-visited. Fake-Opfer

— Martina Leeker, August 2015

Ein äußerst problematischer Aspekt des Dow-Fakes, mit dem zugleich zur ambivalenten Konstitution von künstlerischen Interventionen in digitalen Kulturen übergeleitet wird, ist dessen Wirkung auf die Opfer des Unfalls; eine Auseinandersetzung damit wird vor allem im Internet geführt. Die Betroffenen in Bhopal erfuhren in der global vernetzten Welt sehr schnell von der Ankündigung, dass eine Entschädigung gezahlt werden solle. In einer Diskussion 2006 schildert Sathyu Sarangi – indischer Vertreter der Opfer des Unfalls sowie Sprecher und Manager des Sambhavna Trust, der als NGO eine medizinische Versorgung der Opfer in einem eigenen, nach Prinzipien den konventionellen wie alternativen, ganzheitlichen Medizin ausgerichteten Gesundheitszentrum gewährleistet – die vom gefakten Statement ausgelösten Hoffnungen und Enttäuschungen. Im Zentrum stand das Anliegen, die verseuchte Umwelt in Bhopal zu sanieren und damit weitere gesundheitliche Schäden zu unterbinden.

Abb. 1: "Versöhnungsszenen". Von: http://www.heise.de/tp/bild/29/29738/29738_11.html

Abb. 1: “freundliche Versöhnungsszenen”. Quelle: theyesmen.org via heise.de

Diese Schattenseite der Intervention taucht in der Auseinandersetzung mit ihr immer wieder auf. Yes Men haben, so kann es scheinen, darauf reagiert und in ihrem Film „Yes Men regeln die Welt“ von 2009 eine eigene, hochgradig inszenierte kritische Auseinandersetzung (timeline: 16:51–37.33) mit der Wirkung ihrer Aktion bei der Bevölkerung in Bhopal vorgenommen. Im Film wird von einem Besuch der Yes Men am Ort des Unglücks erzählt und es werden freundliche Versöhnungsszenen gezeigt (Abb. 1). Das vor Ort gelebte Leid wird mit den Zielen des Fake, Öffentlichkeit zu schaffen, konfrontiert und letzteres als hilfreich und erfolgreich eingestuft.

Über uns

Re-thinking methods: Experiments&Interventions als Methode eines kontinuierlichen und diskursanalytischen Überdenkens und Umdenkens von Bedingungen und Perspektiven digitaler Kulturen und ihrer Erforschung. Mehr dazu auf der Seite Über uns...

Das DCRL ist Teil des Centre for Digital Cultures (CDC) an der Leuphana Universität Lüneburg.

Kontakthof 2.0

Das Theaterprojekt „Kontakthof 2.0. Living in digital cultures“ wurde für die Verabschiedung des Innovations-Inkubators, Bereich Digitale Medien der Leuphana Universität Lüneburg erarbeitet, ein von 2009 bis 2015 von der EU gefördertes Projekt zur regionalen Entwicklung. Die Aufführung fand am 24.6.2015 im Rahmen der Abschlussveranstaltung des Inkubators an der Universität in einem Seminarsaal statt. Das Stück wurde in einem Seminar mit Studierenden zum Thema „TheorieTheater“ entwickelt. Eine ausführliche Projektdokumentation sowie den dazugehörigen Mitschnitt finden sie auf der Unterseite “Kontakthof 2.0. Embodiment of Remix und TheorieTheater“.