Methode. Über-affirmatives Faken (Martin Doll)

— Martina Leeker, August 2015

Im Fokus der Methoden von Yes Men stehen nach Martin Doll (PDF) zwei Verfahrensweisen. Sie würden erstens die so genannte Über-Affirmation (PDF, Doll, Fake als Intervention 2012, S. 219) anwenden, deren Ziel und Wirkung Doll beschreibt:

„Durch die extremen Zuspitzungen werden Problemstellen sichtbar, die aus dem marktliberalen Denken selbst resultieren und innerhalb seiner Eigenlogik zunächst widerspruchsfrei erscheinen.“

mdoll.eu (PDF, S. 226)

Grundlage der Über-Affirmation ist der Fake im Sinne einer möglichst genauen Imitation der Organisationen, in die interveniert werden soll. Nach Doll muss der Fake allerdings einen Überschuss (PDF, Doll, Fake als Intervention 2012, S. 221) erzeugen, will er überhaupt politisch wirksam werden, d. h. intervenierend eine Veränderung der Verhältnisse herbeiführen. Dieser Überschuss entspricht den Effekten der Über-Affirmation, denn durch sie werden, so Doll: „übliche Argumente über die Logik des freien Marktes so radikalisiert, dass sie für die involvierten Firmen kontraproduktiv werden.“ (PDF, Doll, Fake als Intervention 2012, S. 221) Derart führt die Über-Affirmation zur von Yes Men so genannten Identitätskorrektur (PDF, Doll, Fake als Intervention 2012, S. 219–221), weil mit Hilfe des gefakten Fanatismus der intervenierenden Performer die verborgenen oder nicht allzu deutlich herausgestellten Ziele einer Organisation sichtbar würden. Mit Doll lässt sich für die Yes Men konstatieren: als „hyperkonforme, amoralische und menschfeindliche Fanatiker […] werden sie dann im (Kursiv im Originaltext, M.L.) System der Kommunikationsbeziehungen der repräsentierten Organisationen und Firmen zu deren Widersachern.“ (PDF, S. 222)

Über uns

Re-thinking methods: Experiments&Interventions als Methode eines kontinuierlichen und diskursanalytischen Überdenkens und Umdenkens von Bedingungen und Perspektiven digitaler Kulturen und ihrer Erforschung. Mehr dazu auf der Seite Über uns...

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Kontakthof 2.0

Das Theaterprojekt „Kontakthof 2.0. Living in digital cultures“ wurde für die Verabschiedung des Innovations-Inkubators, Bereich Digitale Medien der Leuphana Universität Lüneburg erarbeitet, ein von 2009 bis 2015 von der EU gefördertes Projekt zur regionalen Entwicklung. Die Aufführung fand am 24.6.2015 im Rahmen der Abschlussveranstaltung des Inkubators an der Universität in einem Seminarsaal statt. Das Stück wurde in einem Seminar mit Studierenden zum Thema „TheorieTheater“ entwickelt. Eine ausführliche Projektdokumentation sowie den dazugehörigen Mitschnitt finden sie auf der Unterseite “Kontakthof 2.0. Embodiment of Remix und TheorieTheater“.