Yes Men. Ambivalenzen

— Martina Leeker, August 2015

Die Künstler-Gruppe „Yes Men“ kann zu Recht als Ikone einer radikalen und effizienten Form politischer Intervention (Martin Doll, Fake als Intervention, München 2012) mit künstlerischen Methoden angesehen werden. Sie nutzen Methoden wie u. a. die de-/konstruierende Kunst des Ja-Sagens (negative Affirmation: hier), Performance oder strategische Medienutzung. Grundlage für diese Methoden ist die sehr genaue Kenntnis der „Gegner“, zumeist neoliberale Organisationen in Wirtschaft und Politik, die überspitzt imitiert und dadurch bezogen auf ihre verborgenen Ziele entlarvt werden sollen. Die Projekte von Yes Men können sowohl als paradigmatisch für politisch motivierte Interventionen sowie als eine spezifische Ausprägung dieser kulturellen Handlungsform angesehen werden und werden deshalb herangezogen, um exemplarisch Konstitution und Bedeutung von Interventionen unter den technologischen Bedingungen digitaler Kulturen zu untersuchen. Dabei zeigt sich eine ambivalente Verfasstheit. Diese betrifft zum einen das Machtspiel, in das die Interventionen und ihre Macher verwickelt werden und zugleich andere verwickeln. Zum anderen lassen sich anhand der Aktionen von Yes Men die Bedingungen für politisches Handeln und für Partizipation in digitalen Kulturen sowie deren epistemologische Rahmungen beschreiben, die durch diese Interventionen erzeugt und in einer ihnen eigenen Logik weiterentwickelt werden.

Diese Analyse bildet zudem den Hintergrund, aus dem heraus die Methoden für die Vorstellung von Igor Vamos im Rahmen seiner Keynote bei der Konferenz „Terms of Media“ entwickelt wurden. Ähnlich wie die Aktionen der Yes Men löste die Vorstellung von Vamos auf der Konferenz eine Kette von vorher nicht absehbaren Effekten und weiteren Aktionen aus, die hier vorgestellt und im Kontext interventionistischer Machtspiele in digitalen Kulturen analysiert werden sollen. Dabei werden sie als eine Option ausgelegt, Interventionen in Interventionen zu erdenken und zu erproben, um deren konstitutive Rolle in digitalen Kulturen zu reflektieren und ihnen zudem andere Praktiken an die Seite zu stellen.

Über uns

Re-thinking methods: Experiments&Interventions als Methode eines kontinuierlichen und diskursanalytischen Überdenkens und Umdenkens von Bedingungen und Perspektiven digitaler Kulturen und ihrer Erforschung. Mehr dazu auf der Seite Über uns...

Das DCRL ist Teil des Centre for Digital Cultures (CDC) an der Leuphana Universität Lüneburg.

Kontakthof 2.0

Das Theaterprojekt „Kontakthof 2.0. Living in digital cultures“ wurde für die Verabschiedung des Innovations-Inkubators, Bereich Digitale Medien der Leuphana Universität Lüneburg erarbeitet, ein von 2009 bis 2015 von der EU gefördertes Projekt zur regionalen Entwicklung. Die Aufführung fand am 24.6.2015 im Rahmen der Abschlussveranstaltung des Inkubators an der Universität in einem Seminarsaal statt. Das Stück wurde in einem Seminar mit Studierenden zum Thema „TheorieTheater“ entwickelt. Eine ausführliche Projektdokumentation sowie den dazugehörigen Mitschnitt finden sie auf der Unterseite “Kontakthof 2.0. Embodiment of Remix und TheorieTheater“.