Diskursbereiche und Interventionen der “Messe”

— Martina Leeker, Oktober 2014

Für die “Messe” wurden nun solche Ansätze in der zeitgenössischen medienwissenschaftlichen Forschung angesteuert, die, neben der Medialität von Wissen, Modelle zu einer symmetrischen Kooperation in technischen Umwelten entfalten und Dingen eine eigene Handlungsmacht zu- und damit Menschen eine besondere Rolle absprechen. Sie als Diskurse zu bezeichnen bedeutet, dass sie nicht als Beschreibungen der Wirklichkeit angesehen werden, sondern vielmehr ihre Auswirkungen auf Wissen, Subjektbildung und Regierbarkeit zu erfassen sind. Es galt zu den unterschiedlichen Diskursen angemessene praktisch-künstlerische, hier negative Affirmationen zu finden, die es ermöglichten, die diskursiven Effekte herauszustellen. Die “Messe” sollte ein Environment bilden, das mit einer eigenen Logik auf die aktuelle Diskurslage einging. Es wurden drei Eckpfeiler ausgemacht, auf die eingegangen werden sollte.

Wenn (1) Wissen allein medial bedingt ist, dann stellt sich zum einen die Frage, wie Wissenschaft und Forschung mit dieser selbst geschaffenen Unterminierung ihrer Existenz umgehen. Zum anderen ist von Interesse, was das Konzept von der medialen Konstitution für das Selbstverständnis der Forschenden sowie, weiterhin, des Menschen bedeuten könnte. Um diese Fragen mit der Methode der Affirmation des Diskurses von der Medialität von Wissen zu untersuchen, sollte die Tagung mit solchen Vorträgen durchsetzt werden, die entweder die Darstellungsweise als Konstitution von Wissen betonen (Walter Siegfried, Ursula Damm) oder aber auf unrichtigen Aussagen aufbauten (Irina Kaldrack), mithin Fake (PDF) waren. Für methodische Erwägungen sind dabei die diskurskritischen Potenziale des Fake von Interesse. Dieser ist nämlich nicht auf eine Aufrechterhaltung der Lüge, sondern vielmehr auf Enttarnung angelegt und folgt, um diese sicherzustellen, einer Dramaturgie der Hinweise. Im Zuge der Dechiffrierung wird deshalb umgekehrt auch deutlich, welchen Strategien und Diskurse der Bewahrheitung Wissenschaft und Forschung folgen. Mithin ist der Fake eine erkenntnisstiftende und diskursanalytische Methode, da er Einsicht in Wissensordnungen gibt und zugleich in diese interveniert. In den Beiträgen zur “Messe” wurde diese Dramaturgie des Fake sowie der affirmativen Vortragsperformance in unterschiedlicher Weise umgesetzt. Walter Siegfried hielt einen Vortrag, der mit Gesang durchsetzt war. Was zunächst als wissenschaftlicher Input zur Konstitution des Raums durch tänzerische Bewegung erschien, löste durch die Gesänge zunehmend Verwirrung aus. Diese passten sich zwar inhaltlich den Teilen des Vortrags an, denen sie zugeordnet waren. Das Ausführen von Gesängen stellte jedoch die Wissenschaftlichkeit der Darbietung in Frage, da Gesang nicht zum Repertoire der Darstellungsformen in einem medienwissenschaftlichen Vortrag zählt. Die Gesänge brachten zum einen Inhalte ein, die ungeahnte Assoziationen ermöglichten. Zum anderen sprachen sie Ebenen der Wahrnehmung an, die allein durch gesprochene Sprache nicht aufgerufen würden. Entscheidend war im Event der “Messe”, dass die real von Walter Siegfried durchgeführte und vorgestellte Forschungsarbeit am Institut für Verhaltsforschung in Seewiesen durch die Darstellungsform an Glaubwürdigkeit verlor. Das heißt, im System der Wissenschaft und Forschung ist der Ausschluss von Darstellungsweisen Garant für ihre Seriosität und Richtigkeit. Der Diskurs der Medialität führt mithin seine eigenen Regeln mit sich, mit dem deren Eigendynamik kontrolliert wird. Walter Siegfried unternahm zudem während der Tagung drei Spaziergänge mit situativen Gesängen auf dem Campus, die aufgezeichnet und noch im Verlauf der Veranstaltung als fertige Videos gezeigt wurden. Es entstand ein Ensemble von Irritationen, die über den Indikator “Gesang” zusammengehalten wurden. Während der Vortrag zeigte, was die Wissensordnung “Wissenschaft” als solche zulässt, eröffneten die Gesänge einen Raum der Schichtungen von Wirklichkeiten. Indem Walter Siegfried in den Gesängen nämlich Orte mit Liedern überzieht, werden an diesen im performativen Herausstellen Aspekte wahrnehmbar, die ansonsten unsichtbar sind. Walter Siegfried sang in der Mensa beim Konferenz-Mittagessen, in einem Laubengang auf dem Campusgelände, der das ehemalige militärische Gelände ziert, sowie vor der viel diskutierten Baustelle des neuen Zentralgebäudes der Universität. Durch diese Kombination, in der der von Ausschluss aus der Wissensordnung mit der Öffnung von ungeahnten Schichten der Wirklichkeit verknüpft wurde, verwiesen die performativen Inputs zum einen darauf, dass Grenzziehungen willkürlich und kontingent sind. Zum anderen zeigten sie, dass sich Wissenschaft vor allem aus einem Ordnungssystem konstituiert, das die Rede von der Medialität des Wissens zwar mit sich führt, diese aber in ihrer Materialität ausblendet. Der Medialität von Wissen ist mithin eine eigene Wissensordnung als generatives Moment sowie als kontrollierende Instanz über Wissen zur Seite gestellt. Auch das Projekt Mockular von Irina Kaldrack operierte mit dem diskursanalytischen Potenzial von Fake. Die Protagonistin wurde in einem fiktiven, auf Video aufgezeichneten Interview nach ihrer Arbeit an der Entwicklung von Datenbrillen befragt. Die Inszenierung des Interviews war darauf angelegt, dass ob der leicht und kaum konkret benennbaren, übertriebenen Beschreibungen Zweifel an diesen entstanden und aufrechterhalten blieben. Die Beschreibungen der Funktionalität der Brille und sowie die ihrer Entwicklung und Herstellung waren zu unwahrscheinlich. Die Mischung aus Affirmation und Übertreibung wurde mithin zu einem Erkenntnis stiftenden Vorgang. Ursula Damm zeigte im Format einer Installation eine auf Video aufgezeichnete Performance, in der sie sich über Kabel und Sensoren an eine vermeintlich elektromagnetisch aufgeladene Umwelt anschloss, um deren Nachrichten zu empfangen. In diesem Beitrag wurde die Methode der affirmativen Ironie genutzt und die Verwobenheit von Mensch und technischer Umwelt wortwörtlich genommen und auf die Spitze getrieben. Dabei wurden die Diskurse von der Medialität des Wissens sowie der Handlungsagenturen in der konkret erlebbaren, ironisch überzogenen Umsetzung fragwürdig.

Diese Dramaturgie des Fake zeigte bereits im Vorfeld der Organisation der “Messe der Medien” ihre Wirkung. Symptomatisch dafür ist, dass einige Panels sich schwer taten, die fakenden Spiegel zu integrieren. Aus diesem Grund wurde das ursprüngliche Konzept modifiziert, und die Arbeiten von Ursula Damm und Irina Kaldrack nicht, wie geplant, verdeckt in die Tagung eingeschleust, sondern in einem separaten Raum als Videoinstallation gezeigt. Allein der Vortrag von Walter Siegfried konnte in einem Panel “auftreten”. Die gewünschte Integration der interventionistischen und performativen Vorträge führte im Vorfeld der Organisation der “Messe der Medien” zu der Mutmaßung, dass deren Einschleusung einen Abklatsch der Sokal-Affäre inszenieren wolle, also einen “Wissenschafts-Hoax” zum Zwecke der Bloßstellung geisteswissenschaftlicher Forschung. Dieser Vergleich verkennt allerdings Konzept und Wirkung der “Messe”. Während es nämlich in der Sokal-Affäre um eine Verunglimpfung von Geisteswissenschaft ging, sollte mit der “Messe der Medien” eine wissenschaftliche Untersuchung zu den wissenschaftlichen Wahrheitsdiskursen in digitalen Kulturen unternommen werden. Die abwehrenden Reaktionen sind mithin von aller größtem Interesse, deuten sie doch auf eine Krise von Wissen und Forschung hin, die durch den Diskurs zur Medialität von Wissen ausgelöst werden könnte, aber gleichwohl unerkannt bleibt und an den Rand gedrängt wird. Durch diese Vorgänge zeitigte die “Messe der Medien” mithin im Laufe der Planung und Durchführung ein eigenes Forschungsergebnis, das ohne die Veranstaltung und ihre Interventionen nicht aufgekommen wäre. Paranoia konnte hier nämlich als integraler Bestandteil von Wissen und Forschung ermittelt werden. Es wird also nicht so einfach weggesteckt, dass die diskursiven Mittel zur Unterscheidung von Wissen und Nicht-Wissen, von wahr und falsch gerade unter dem Epistem der Medialität von Wissen sowie der technologischen Konstitution digitaler Kulturen in der Simulation bedroht sind. Während der “Messe der Medien” wurden die Entdeckungen zur paranoiden Lage des Wissens in digitalen Kulturen aufgenommen und vertieft. In einem Gespräch erkundeten Walter Siegfried, Ursula Damm sowie Irina Kaldrack Dramaturgien und Effekte von künstlerischen Methoden wie Irritation und Fake. Ute Holl und Marie-Luise Angerer vertieften die These, dass Paranoia ein konstitutiver Bestandteil gerade medienwissenschaftlicher Forschung und insbesondere ihrer aktuellen Lage sein könnte.

Ein weitere Gruppe von Interventionen setzte (2) am Diskurs der Agenturen an und erzeugte Handlungsgemeinschaften von Menschen und technischen Dingen. Zu dieser Gruppe zählen der blinde Roboter, das Circuit Bending sowie das Creative Coding (von dem keine Dokumentation aus der “Messe der Medien” vorliegt). Hier war das Ziel, unterschiedliche Ebenen der Agenturen zu affirmieren. Aufgenommen wurde (a) die Erzeugung neuer Vorstellungen von Menschen, die mit dem Konzept der Agenturen verhandelt werden. Es scheinen dabei neue Einstellungen auf, die radikaler sind als die simple Übersetzung von dem Menschen zugeordneten Fähigkeiten wie Bewusstsein, Gefühle, Intelligenz auf technische Dinge oder Tiere. Mit diesem Vorgang würden, so Lorenz Engell und Bernhard Siegert, die genannten Fähigkeiten auf Operationen herunter gebrochen und dabei kybernetische Fantasien fortgesetzt und die Vielheit der Beziehungen und Qualitäten zwischen Menschen und Dingen ausgeblendet. Was wäre, so wäre mit Engell und Siegert zu fragen, wenn eine radikale “Medienanthropologie” einsetzen würde. Wie diese so aussehen könnte, dass “dem Menschen” tradierte Bodenhaftung und Verortung verloren gingen, skizzieren Lorenz Engell und Bernhard Siegert:

“Es stirbt, es wird geboren, es lacht, es weint, es liebt. Die prozessuale Beschaffenheit dieses ‘es’ zu erforschen als ein Quasi-Objekt im Sinne von Michel Serres, das in einer endlosen Dezentrierungsbewegung zwischen verschiedenen Instanzen zirkuliert, denen es wechselweise menschliche oder nichtmenschliche Agency zukommen lässt, gehört zu den zentralen Anliegen einer medialen Anthropologie. […] Am Ende zeichnet sich die Notwendigkeit einer überhaupt auf Operationen der Verstrickung und Trennung, der Bündelung und Entflechtung gegründete Medienanthropologie ab, die, statt von der immer schon gegebenen Unterscheidbarkeit von Mensch und Medium auszugehen, ihre gemischte, gemeinsame und nur gemeinsam mögliche und wirkliche Operativität erforscht.”

old.ikkm-weimar.de

An dieser radikalen Anthropologie sollte die Interaktion mit dem blinden Roboter von Louis-Philippe Demers ansetzen. Die Ausgangsthese dafür, den Roboter in eine Tagung über die Medien der Wissenschaften zu schleusen, war, dass die Theorien von den Agenturen bisher nicht radikal genug seien und dass erst Performances mit technischen Dingen bei der nötigen Zuspitzung des Kooperativen sowie der Überwindung des Anthropozentrischen helfen könnten. Auch wenn gerade in der Interaktion mit Robotern weiterhin alte Trennlinien zwischen Mensch und Technik erhalten blieben, so könne die aktuelle Diskurslage für eine Um-Orientierung zu Hilfe kommen. Denn mit ihr erwacht eine neue Sensibilität für Dinge und Umwelten, so dass in der Interaktion mit der Maschine nicht mehr wie bisher Anthropozentrierung und Anthropomorphisierung als Rezeptionshaltung akut werden. In der Tat erschienen die Operationen des Roboters wegen des expliziten “Nach-Drucks” seiner Berühungen als Eigenleben technischer Dinge, mit denen man kooperativ agieren könne, da sie deutlich das eigene Verhalten und Empfinden beeinflussen. Im Austausch mit dem Roboter, der mit seinen Fingern auf die Menschen drückt, werden so tradierte Grenzenziehungen zu den “Dingen” überschritten. Es entsteht ein verwirrender und grenzenloser Rausch der Sensationen. Zugleich aber bleiben tradierte Muster einer auf Grenzen ziehenden Bezugnahme von Mensch und Technik erhalten. Mit dieser Methode, die aus der Affirmation des aktuellen Diskurses sowie aus deren Reibung an alten Gewohnheiten bestand, sollte durch den Kontakt mit dem blinden Roboter auf der “Messe der Medien” eine Kippsituation hergestellt werden. In dieser sollte vor allem deutlich werden, dass Medienanthropologien historisch bedingt sind und je eine eigene Art der Subjektivierung mit sich führen, also auch die radikal medienanthropologischen, kybernetologischen und techno-ökologischen Versionen. Einmal mehr wurde aber in der diskursästhetischen Recherche eine ihr eigene Erkenntnis möglich, nämlich der Einblick darin, dass Performances und Erleben nicht a priori sind, sondern vielmehr auch von diskursiven Beschreibungen abhängen.

SAMSUNGMit dem (b) Circuit Bending von Peter Koval wurde eine Seite aufgerufen, die in der Rede über Agenturen verdrängt, aber gleichwohl eingespielt wird. Im Circuit Bending werden Schaltkreise elektronischer Geräte kurzgeschlossen und auf diese Weise ungewöhnte und nicht vorhersehbare Klänge erzeugt. Als Erfinder gilt Reed Ghazala, der in den 1960er Jahren die geheimnisvollen Sounds (PDF) entdeckte und in den Stand kreativer Events erhob. Ein kundiger Schreiber auf Wikipedia ordnet Circuit Bending den mystischen Klängen psychedelischer Musik der 1960er Jahre zu, wenn er notiert:

“In dem populären Video What is Circuit Bending? beschreiben Künstler Circuit bending als ‘Parallele Welten innerhalb von Schaltkreisen, welche eigentlich gar nicht existieren sollten, aber sie sind da’, … ‘eine explosive psychedelische surreale Welt des Klangs.’ Diese Ansichten suggerieren, dass die erreichten Klänge als verstecktes Potential in jedem Schaltkreis vorhanden sind, und es die Aufgabe des Circuit bending sei, diese zu erkunden und das Potential eines Gerätes durch Experimente zu erschließen.”

de.wikipedia.org

Ghazala selbst beschreibt sich als:

“Another term coined by Reed is BEAsape which means BioElectronicAudiosapien. When body contacts are used, the body of the performer is used as a capacitor – there is a fusion between man and machine into one purpose which Reed says is something new zoologically and musically.”

quickiwiki.com

Mit Circuit Bending sollten vor diesem Hintergrund auf der “Messe der Medien” mögliche Aspekte einer Genese aktueller Agentur- und Kooperationstheorien angedeutet werden, denen es nachzugehen gälte. In den 1960er Jahren wurden nämlich in der Bewegung “Art and Technology” (PDF) in Performances und Musik Mensch und Maschine in bedenklicher Weise kurzgeschlossen. Sie sollten zusammen schwingen und in diesen Resonanzen zu übersinnlichen Erlebnissen gelangen, die sie zu einem medien-environmentalen Sein führen sollten. Fred Turner und Martina Leeker haben darauf aufmerksam gemacht, dass hier kybernetische Theorien und animistische, teils aus spiritistischen Dunstkreisen kommende Vorstellungen konvergieren. Es wäre zu fragen, wie sich die aktuellen Diskurse vom Techno-Ökologismus sowie von einer radikalen Medienanthropologie, in der sich technisches Sein in Beziehung und Verflechtungen auflöst, zu dieser Vor-Geschichte verhalten. Es scheint bereits in den 1960er Jahren um eine Dezentrierung des Menschen zum Zwecke seiner Integration in eine hochsensible Umwelt gegangen zu sein. Beide Male kamen diese Ideen auf, als sich Infrastrukturen und automatische Datenverwaltung, vom Systems Engineering bis zum ubiquitären algorithmischen Gouvernement, übermäßig ausdehnten und alles “Mögliche” vom Menschen aufnehmen konnten. Es geht mithin um eine Geschichte der Affizierung und Affizierbarkeit und der Kulturtechniken, mit denen diese hergestellt und bewältigt wird, in Gestalt von Diskursen, Kunst, Performances, Medien, Gadgets, usf.

Schließlich wurden (3) mit Hilfe von Filmen aus dem Dunstkreis des Gestalt- und Managementpsychologen Kurt Lewin, die Experimente mit Kindern zeigen, auf der “Messe der Medien” Diskurse zur Medialität des Wissens und Agentur-Diskurse auf eine ethische und politische Frage hin zugespitzt. Es wurde gefragt, ob aus der Dezentrierung des Menschen sowie der Relativierung von Wissen eine Ekstase der Experimentalisierung der Existenz entstehen könnte. Wenn dem so wäre, dann stellt sich die Frage, wie man sich zu dieser, zu sich selbst sowie zu Tieren oder technischen Dingen verhält. Die beiden Filme zeigen je Erziehungsstile nach Kurt Lewin. Es wird ein sozialpsychologischer Versuch wiederholt, den Kurt Lewin Ende der dreißiger Jahre unternahm. Eine Erzieherin arbeitet mit drei Gruppen von Kindern, die mit Knete spielen. In jeder Gruppe wendet sie einen anderen Erziehungsstil an: autoritär, Laissez-faire, kooperativ. Die im autoritären Stil betreuten Kinder müssen Eier kneten, während die kooperativ behandelten Kinder bei der Umsetzung eigener Ideen unterstützt werden und die Kinder bei “Laissez-faire” auf sich alleine gestellt den Raum in ein buntes Chaos verwandeln und sich schließlich in Prügeleien ergehen. Die Betrachter_innen können die eklatanten Unterschiede beobachten, die die unterschiedlichen Stile in Subjektbildung und Sozialverhalten auslösen sollen. Am Ende des Versuches werden die Kinder nach ihrem Befinden befragt. Die “richtig”, d. h. kooperativ betreuten Kinder strotzen von Selbstvertrauen und zeigen eine optimistische Sicht auf ihre Leistungsfähigkeit und schätzen die Erzieherin. Die autoritär behandelten Kinder wirken dagegen eingeschüchtert und niedergeschlagen. Mit den Filmen von Lewin wird der Diskurs von der Medialität von Methoden in einer neuen, gleichsam leibhaftigen Dimension kenntlich gemacht. Die Filme werden nämlich zu einer performativen Instanz, die nicht einfach Wirklichkeit mit ihren Technologien erfasst, sondern sie vielmehr überhaupt erst herstellt (PDF). Katja Rothe (PDF) hat ausgeführt, dass sich hier Gruppen gegenseitig beobachten, um daran eine medial erwirkte und kontrollierte Agentur der Handelnden zu erschaffen. Wie sie weiter betont, werden in Assessmentzentren, im Changemanagement, im Brecht’schen Theater sowie in Gruppensitzungen (PDF) seit den 1930er Jahren Agenturen und Beziehungen längst mit Gefühlen, Atmosphären und Spekulationen performance-, regierungs- und medientechnisch verwaltet. Der Kooperation ist mithin ebenso wenig zu entkommen wie den ubiquitären Infrastrukturen.

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Kontakthof 2.0

Das Theaterprojekt „Kontakthof 2.0. Living in digital cultures“ wurde für die Verabschiedung des Innovations-Inkubators, Bereich Digitale Medien der Leuphana Universität Lüneburg erarbeitet, ein von 2009 bis 2015 von der EU gefördertes Projekt zur regionalen Entwicklung. Die Aufführung fand am 24.6.2015 im Rahmen der Abschlussveranstaltung des Inkubators an der Universität in einem Seminarsaal statt. Das Stück wurde in einem Seminar mit Studierenden zum Thema „TheorieTheater“ entwickelt. Eine ausführliche Projektdokumentation sowie den dazugehörigen Mitschnitt finden sie auf der Unterseite “Kontakthof 2.0. Embodiment of Remix und TheorieTheater“.