Methode 1. Eulenspiegelei

— Martina Leeker, Oktober 2014

Ziel der “Messe” war es, mit Interventionen in die aktuellen Diskurse zu einer Reflexion von deren Wissensordnung und Epistemologien anzuregen. Die dazu angewandte Methode war, die Diskurse ernst zu nehmen und durch Verkörperungen so in Szene zu setzen, dass sie nicht nur beobachtbar, sondern auch spürbar wurden. Es ging mithin um eine “Eulenspiegelei” in dem Sinne, dass Aussagen affirmativ in Taten umgesetzt wurden. Dabei handelt es sich um eine Methode, die Bazon Brock seit den 1960er Jahren auch als das Prinzip der negativen Affirmation bezeichnet, wenn es ausführt:

“Nietzsche philosophierte auf die gleiche Weise und in gleichem Sinne, was Eulenspiegel und die anderen Narren demonstrierten: Es ist die Theorie von der Symptomverordnung als Therapie – oder die Theorie der affirmativen Praxis. Ihr zufolge hebt sich jeder radikalisierte Aussagenanspruch aus sich selbst heraus auf; also gilt es, die mit Verweis auf Wahrheitsansprüche sich rechtfertigende Macht zu brechen, indem man diesen Anspruch bis zu seiner letzten Konsequenz vorantreibt.”

bazonbrock.de

Entscheidend ist mithin die präzise Technik der negativen Affirmation, denn, so das Poeticon Net:

“Künstlerisch interessant wird das Affirmieren allerdings erst dann, wenn das Wiederholen oder Kopieren mit einer ihrerseits produktiv werdenden minimalen Abweichung erfolgt. Solche künstlerischen Verfahren sind unter der Bezeichnung ‘subversive Affirmation’, ‘negative Affirmation’, ‘Überidentifizierung’ oder ‘Revolution des Ja’ bekannt geworden. Subversives Affirmieren bezeichnet ein Verfahren, besser eine künstlerische Taktik, die es Schriftstellern und Künstlern erlaubt, an einem bestimmten künstlerischen, gesellschaftlichen, politischen oder ökonomischen Diskurs teilzunehmen, ihn zu bestätigen, ihn sich anzueignen oder zu konsumieren und dabei gleichzeitig zu unterwandern. […] Um subversiv affirmieren zu können, ist immer ein Erforschen der jeweiligen Folie nötig. Wenn etwas in seinem Funktionieren entblößt werden soll, muss man in der Lage sein, dieses Funktionieren in all seinen Nuancen zu verstehen und zu kopieren. Für die Betrachter, Zuschauer oder Teilnehmer soll es darum gehen, mit dem Effekt einer doppelten und in sich widersprüchlichen Rezeption konfrontiert zu werden, mit dem Erleben einer Situation und der Möglichkeit, das Genießen, Bejahen oder Bestätigen der Situation gleichzeitig oder im Nachhinein zu reflektieren oder gar abzulehnen. Die Gefahr und auch der Reiz subversiver Affirmation besteht darin, dass sie als solche nicht erkannt wird, sondern – ohne jegliche Auflösung – als bloße Nachahmung rezipiert wird.”

poeticon.net

Mit dieser Methode sollte zugleich ontologisierenden Tendenzen in der aktuellen medienwissenschaftlichen Diskurslandschaft entgegengewirkt werden, mit denen diese statt als Erzeugung von Wirklichkeit anerkannt zu werden, als deren Beschreibung genommen wird. Bazon Brock schreibt bezogen auf die Methode der negativen Affirmation:

“Im Kern läuft diese Theorie darauf hinaus, daß menschliches Tun in der Welt nur dann gerechtfertigt ist, wenn es so weit als möglich auf Widerruf angelegt ist; wenn die Resultate menschlichen Handelns von vornherein in ihrem unumgänglichen Ruinencharakter gekennzeichnet werden, das heißt, als unaufhebbare Differenz zwischen Anschauung und Begriff, Sprache und Denken, Plan und Realisierung.”

uni-wuppertal.de

Über uns

Re-thinking methods: Experiments&Interventions als Methode eines kontinuierlichen und diskursanalytischen Überdenkens und Umdenkens von Bedingungen und Perspektiven digitaler Kulturen und ihrer Erforschung. Mehr dazu auf der Seite Über uns...

Das DCRL ist Teil des Centre for Digital Cultures (CDC) an der Leuphana Universität Lüneburg.

Kontakthof 2.0

Das Theaterprojekt „Kontakthof 2.0. Living in digital cultures“ wurde für die Verabschiedung des Innovations-Inkubators, Bereich Digitale Medien der Leuphana Universität Lüneburg erarbeitet, ein von 2009 bis 2015 von der EU gefördertes Projekt zur regionalen Entwicklung. Die Aufführung fand am 24.6.2015 im Rahmen der Abschlussveranstaltung des Inkubators an der Universität in einem Seminarsaal statt. Das Stück wurde in einem Seminar mit Studierenden zum Thema „TheorieTheater“ entwickelt. Eine ausführliche Projektdokumentation sowie den dazugehörigen Mitschnitt finden sie auf der Unterseite “Kontakthof 2.0. Embodiment of Remix und TheorieTheater“.