Die Projekte der Messe der Medien

 
Konzept: Martina Leeker
Produktion: Jörg Schulze

Technische Betreuung: Björn Ahrend und Christoph Lindemann (Hausmarke.TV) mit Domingo Stephan, Anuschka Neweczerzal, Katja Winder und Noé Leeker
Video: Björn Ahrend, Christoph Lindemann, Domingo Stephan, Georg Pelzer, Moritz Wehrmann
Vollständige Credits siehe unten.

Die Projekte werden nach thematischer Gliederung und Methoden aufgeführt.

 


 

1. Fake, Irritationen und Schichtungen als erkenntnistheoretische Methode

Walter Siegfried

Walter Siegfried arbeitet in dem von ihm entwickelten Format des performativen Vortrags sowie der situativen Gesänge.

Performativer Vortrag: Vom Raum im Raum. Anfänge menschlicher Raumbildungen im Tanz.

Anhand einer Filmanalyse aus der Anfangsphase eines Kinderspiel-Tanzes [MPIV, Seewiesen] wird gezeigt, wie zwischenmenschlicher Raum geschaffen und aufrechterhalten wird. Der Vortrag wird von Gesängen unterbrochen. Ein zentrales ästhetisches Mittel in den Vorträgen sind Irritationen, die Reflexionen zur Konstitution von Wissen auslösen.

 

Walter Siegfried. Situative Gesänge

Walter Siegfried zielt mit den situativen Gesängen darauf, durch Schichtungen und Verschiebungen die Wahrnehmung einer Situation zu erweitern. Denn die Gesänge legen sich über das Gegebene und zeigen Schichten von Wirklichkeit auf, die ansonsten nicht sichtbar wären. Auf diese Weise erzeugen Gesang und Performance Erkenntnis, die nur durch sie möglich wird.

Ursula Damm

Ich bin ein Sensor

“In einigen Experimenten wird gezeigt, was passiert, wenn der Körper als ultimative Instanz der Bewertung seinen Platz zurück erhält und die natürlichen Sinne von Mensch und anderen Lebewesen ins Zentrum der Betrachtung gerückt werden.” (Ursula Damm)

Irina Kaldrack

Mockular

Im Video Mockular wird am Beispiel von aktuell entstehenden Augmented-Reality Brillen analysiert, wie Technologie-Entwicklung, Nutzungspraktiken und Institutionalisierungen in der Ausbildung “neuer” Medien ineinander greifen (Irina Kaldrack). Das Interview ist ein Fake.

Wissen durch Methoden der Irritation. Ein Gespräch: Ursula Damm, Irina Kaldrack, Walter Siegfried

Die Gesprächspartner_innen erkunden die Wirkungen von Methoden der Irritation sowie von ästhetischen Interventionen für Wahrnehmung und Erkenntnis.

 


 

1.1 Paranoia

Paranoia. Interview mit Ute Holl und Marie Luise Angerer

Ute Holl und Marie-Luise Angerer erkunden den Nutzen von Paranoia als epistemologische Haltung in digitalen Kulturen.

 


 

2. Affirmation von Agenturen

Louis Philippe Demers

blindrobotIn der Installation Blind Robot begegnen die Besucher_innen einem Roboterarm, der in der Art von Blinden ihr Gesicht erkundet.

Peter Koval

In crct bndng, werden durch spontane Schaltkreismanipulationen – nicht selten mit bloßen Händen – den digitalen Instrumenten unberechenbare oder gar unerhörte Sounds entlockt.

CRCT BNDNG von Peter Koval

Als Leonhard Euler in den 1730ern nach dem kürzesten Weg über die sieben Brücken Königsbergs suchte, schlug er selbst einige theoretische Abkürzungen ein. Der mühsame Weg der Aufzählung aller möglichen Wege etwa – würde bei ihm auch “vieles gefunden, wonach gar nicht gefragt war” – wurde programmatisch abgekürzt, nur um der damals neuen “Geometrie der Lage” den Weg zu bereiten. Damit fiel auch die Abkürzung der Sphäre des berechenbaren Optimierungswissens zu: Man wird nicht mehr etwas finden, so könnte man Euler paraphrasieren, wonach man nicht sucht. Eben dieses Wissen des topologisch optimalen, im Grunde nicht verkürzbaren Weges materialisiert sich seit ungefähr sechs Dekaden, mit Ausnahme von FPGAs, auch in den Leitbahnen der Platinen oder komplexen Strukturen integrierter Schaltkreise. Da bereits der Elektronikentwurf der Logik des kürzesten Weges folgt, macht eine Abkürzung schlichtweg keinen Sinn. Ein Kurzschluss verbietet sich, schon weil er im Bezug auf die vorgesehene Funktionalität des optimal berechneten Layouts destruktiv ist. Jeder Kurzschluss könnte durchaus der Letzte sein.

Circuit-bending

Genau an dieser Stelle setzt Circuit Bending seine “dekonstruktive Lektüre” von Elektronik mit einem banalen Stück Draht an – um zu finden, wonach man gar nicht suchte, wovon man nicht wissen konnte, dass man danach sucht. Die “naive” oder gar “anti-theoretische” Suche nach kurz-schlüssigen, unvorhergesehenen Verbindungen, nach Abkürzungen ohne Plan erweist sich als lohnenswert. Es gibt anscheinend eine – quer zum Optimierungswissen gelegene – funktionale “Schicht” des Geräts, von der nicht einmal sein Designer etwas weiß, die sich seiner Intention entzieht und die man, wenn auch etwas gewitzt, mit einfachsten Mitteln freilegen kann. Die spielerische Bastelei an tönendem Elektronikspielzeug geht über eine medienarchäologische (Hertz/Parikka) bzw. medienreflexive Strategie hinaus. Indem sie den Raum der Wege, der Leiterbahnen durch Abkürzungen verdichtet, entfaltet sie das Unerhörte.

(Abb. nach Reed Ghazzala, Circuit-bending: build your own alien instruments, Indianapolis 2005, S. 49.)

 


erziehungsstile2klewin_experimente

3. Experimente am Menschen

Erziehungsstile nach Kurt Lewin

Der Film (Drei Erziehungsstile nach Lewin. s/w, 22 min, 1970; Teil 1 und Teil 2) wiederholt einen sozialpsychologischen Versuch, den Kurt Lewin Ende der dreißiger Jahre unternahm. Eine Erzieherin beschäftigt sich mit drei Gruppen von Kindern, mit denen sie das Kneten von Figuren durchführt. In jeder Gruppe wendet sie einen anderen Erziehungsstil an: autoritär, Laissez-faire, kooperativ.

 


 

Credits

hausmarkeParanoia Interview mit Ute Holl und Marie-Luise Angerer
Paranoia, Leuphana Universität Lüneburg
© Ute Holl, Marie Luise Angerer – Gespräch
Christoph Lindemann – Kamera
Björn Ahrend, Domingo Stephan – Ton
Domingo Stephan – Schnitt
Produziert von Hausmarke.TV

Vortrag Walter Siegfried
Vortrag im Rahmen der Jahrestagung der Gesellschaft für Medienwissenschaft “Medien der Wissenschaften” 2013 an der Leuphana Universität Lüneburg
Domingo Stephan – Kamera, Schnitt

Circuit Bending
circuit bendig auf der GfM Tagung 2013, Leuphana Universität Lüneburg
© Peter Koval – Kamera
Jannik Leenen – Schnitt

Die ihr aus dunklen Grüften
Händel/Brockes “Die ihr aus dunklen Grüften” auf der GfM Tagung 2013, Leuphana Universität Lüneburg
© Walter Siegfried – Aktion
Thomas Fischer – Klavier
Christoph Lindemann – Kamera
Björn Ahrend, Domingo Stephan – Ton
Domingo Stephan – Schnitt

Speisekammer
Brecht/Eisler “Speisekammer 1942” auf der GfM Tagung 2013, Leuphana Universität Lüneburg
© Walter Siegfried – Aktion
Thomas Fischer – Klavier
Christoph Lindemann – Kamera
Björn Ahrend, Domingo Stephan – Ton
Domingo Stephan – Schnitt

Verdi Prati
Händel “Verdi prati” aus Alcina auf der GfM Tagung 2013, Leuphana Universität Lüneburg
© Walter Siegfried – Aktion
Thomas Fischer – Klavier
Christoph Lindemann – Kamera
Björn Ahrend, Domingo Stephan – Ton
Domingo Stephan – Schnitt

Wissen durch Methoden der Irritation
Wissen durch Methoden der Irritation. Ein Gespräch. Leuphana Universität Lüneburg
© Ursula Damm, Irina Kaldrack, Walter Siegfried – Gespräch
Christoph Lindemann – Kamera
Björn Ahrend, Domingo Stephan – Ton
Domingo Stephan – Schnitt
Produziert von Hausmarke.TV

Mockular
Konzept und Darstellung: Irina Kaldrack
Regie und Interviewerin: Martina Leeker
Kamera, Schnitt: Domingo Stephan

Ich bin ein Sensor
Moritz Wehrmann – Schnitt
Georg Pelzer, Moritz Wehrmann – Kamera
Mareike Maag, Maximilian Netter – Ton
Ursula Damm & Mareike Maag – Konzept
Ursula Damm – Idee
© Ursula Damm 2014

Blind Robot
Concept: Louis-Philippe Demers
Co-Producers: Nanyanf Technological University
Mechatronics: Dennis Low
Software: Vineet Kuruvela